Frauenarbeit in Mödling

Lehrstellen waren rar gesät. Besonders für Mädchen war es schwierig, eine Stelle als Lehrling zu erhalten. Sie konnten mitunter in Fabriken unterkommen oder eine Stelle als Dienstmädchen annehmen. Diese Arbeit bestand aus Hilfsdiensten und war schlecht bezahlt. Es wurde aber als eine Art Lehre angesehen, durch die die Mädchen lernen konnten wie man einen Haushalt führt, denn das war schließlich die Bestimmung der meisten Frauen. Kochen, Waschen, Sparen, Ordnung halten – das musste früher oder später jede Frau beherrschen! Denn obwohl sich die Arbeitswelt für Frauen zu öffnen begonnen hatte, mussten sie sich „nebenbei“ noch um den eigenen Haushalt kümmern. Das umfasste auch die arbeitsaufwändige Betätigung im Garten, zumal viele ihre Familien nur durch Anlegen eines eigenen Gemüsegartens mit genügend Lebensmitteln versorgen konnten.
Eine Möglichkeit, ein wenig Geld zu verdienen war, als Saisonarbeiterin in der Landwirtschaft tätig zu sein, etwa bei der Rübenernte oder bei den Schnittern. Beliebt waren Hilfstätigkeiten bei der Bahn, wie z.B. das „Ausgrasen“, d. h die Unkrautentfernung zwischen den Gleisen, weil das etwas besser bezahlt war.

Dienstmädchen
Um das Familienbudget aufzubessern, nahmen junge Mädchen oft eine Stelle als Dienstmädchen an. Die Bezahlung war nicht überragend und sie waren wirklich „Mädchen für alles“, d.h. Kochen, Putzen, Wäsche waschen, Gartenarbeit, Kinderbetreuung etc. Die Dienstmädchen waren jeden Tag von morgens bis abends beschäftigt. Sie hatten eine kleine Dienstmädchenkammer, meist im Parterre, und wohnten auch beim Dienstgeber. Ausgang hatten sie nur sonntags für einige Stunden. Manche Mädchen arbeiteten sogar nur für Kost und Logis und wurden gar nicht bezahlt. Sogar das stelte aber eine Erleichterung für so manche Familie dar, die einen Esser weniger zu versorgen hatte.

Durch den seit dem Krieg herrschenden Frauenüberschuss eroberten sich Frauen neue Berufsfelder. Nach dem Krieg jedoch überließen sie den Männern die Arbeitsplätze und nahmen ihre traditionelle Rolle als Hausfrau wieder an. Selbst wenn eine Frau eine Berufsausbildung machte, wie z. B. Lehrerin, übte sie den Beruf meist nur bis zu ihrer Heirat aus.  Ein beliebter Beruf war der der Schneiderin. Wenn man keine Anstellung fand, konnte man die erworbenen Fähigkeiten immer noch daheim nutzen und die Familie mit Kleidung versehen.
Viele Frauen verdienten sich ihr Geld mit Wäschewaschen, dem „Waschen gehen“. Diese Arbeit dauerte um die zwölf Stunden am Tag und brachte nur sehr wenig Geld ein.

Beim Aufforsten kahlgeschlagener Wälder kamen Kinder zum Einsatz, um Löcher zu graben und junge Bäumchen einzusetzen. Außer mit Geld wurden die Kinder zuweilen mit einem so genannten „Beerenzettel“ bezahlt. Das war eine Bestätigung dafür, dass sie in den Wäldern Beeren sammeln durften. Die gesammelten Beeren konnten die Kinder für ein paar Groschen verkaufen. Das war eine Arbeit für die Mädchen. Erdbeeren und Himbeeren gab es im Juli und im August, das heißt die Kinder taten dies in den Sommerferien. In den Villen der reichen „Sommerfrischler“ war das Einkochen ein beliebtes Hobby und so konnte man die Beeren dort sehr gut verkaufen.
Die Kinder sammelten überdies Pilze für die Mahlzeit zu Hause, allerdings erst, nachdem sie es von den Eltern oder größeren Geschwistern gelernt hatten, die Speisepilze von den Giftpilzen zu unterscheiden. Viele weitere Pflanzen wurden gesammelt: Waldfrüchte, Brennnesseln, Hühnerdarm, Ligusterbeeren, Weißdornfrüchte, Ebereschen, Hagebutten, Bergmispeln, Kastanien, Fallobst. Aber auch Schnecken, Käfer und andere Schädlinge mussten oft von Kindern von den Kulturpflanzen entfernt werden.
Nach der Getreide- und Zuckerrübenernte gingen die Mädchen mit ihren Müttern zum „Ährenklauben“ auf die Felder, denn es gab immer wieder einige Getreideähren und Zuckerrüben, die auf den Feldern stehen bzw. liegen geblieben waren. Diese wurden nachgelesen und aus den Weizenkörner Mehl gemahlen und aus den Gerstenkörnern Ersatzkaffee gemacht. Zuckerrübenreste verkochte man zu Sirup.
Auch das Tierfutter wurde von den Kindern besorgt, das war Arbeit für die Jüngsten. Den ganzen Sommer über mussten sie Futter für die Hasen sammeln. Da viele Menschen Hasen hielten, war es oft gar nicht so einfach, genug Futter zu finden. Für die Enten suchte man in den Teichen nach Muscheln. Statt Spinat pflückte man Brennnesseln, Burgunderrübenblätter, wilden Knoblauch und Vogerlsalat.

Quelle:
Bienert, Christine: „Die Kolonie war halt das tiefste in Mödling. Des is heut nimmer“. Alltag in der Mödlinger Kolonie seit 1873. Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophie aus dem Fachgebiet Volkskunde, eingereicht an der Universität Wien,  2006