Altsteinzeit-Workshop: Back to the Roots

3. bis 6. Schulstufe
Geht als steinzeitliche Jäger und Sammler auf Spurensuche nach Original-Fundstücken, bastelt euren eigenen Schmuck aus Naturmaterialien und versucht euch als Künstler mit Erdfarben und Steinbearbeitung. Ebenso könnt ihr etwas über die Nahrung und das tägliche Leben vor 30.000 Jahren erfahren.

Preis: 150€/ Schulklasse zuzgl. Fahrtkosten (Mindestbuchung 2 Schulklassen)
Dauer: 2 Stunden
Informationen und Buchung: Alexander Hobiger
0699/ 818-36-773, hobiger@kumkum.at bzw. kontakt@kumkum.at

Dieser Workshop entstand in Kooperation mit dem Buchklub der Jugend.

Mittelalter-Workshop: Das “finstere” Mittelalter wird bunt

3. bis 6. Schulstufe
Taucht ein mit uns in unterschiedlichen Workshop-Stationen ins mittelalterliche Leben, versucht euch als Minnesänger, Gaukler und Jongleure und braut aus Heilkräutern einen Tee. Geht auf archäologische Grabung und bearbeitet einen Befund. In einem eigens entwickelten Spiel reist ihr mit Richard Löwenherz und macht den Mitspielern das Leben schwer.

Preis: 150€/ Schulklasse zuzgl. Fahrtkosten (Mindestbuchung 2 Schulklassen)
Dauer: 2 Stunden
Informationen und Buchung: Alexander Hobiger
0699/ 818-36-773, hobiger@kumkum.at bzw. kontakt@kumkum.at

Dieser Workshop entstand in Kooperation mit dem Buchklub der Jugend.

Römer-Workshop: Römisches Leben zum Angreifen

3. bis 6. Schulstufe
Erlebt unterschiedliche Facetten des römischen Lebens in einzelnen Workshop-Stationen: Kleidet euch standesgemäß, erprobt römische Spiele, schreibt auf Wachstafeln und Papyrus, lernt spielerisch die Welt der Götter und Göttinnen kennen und beweist euer Geschick beim Restaurieren römischer Keramik. Als krönenden Abschluss gibt es dann eine pantomimische Aufführung einer mythologischen Geschichte.

Preis: 150€/ Schulklasse zuzgl. Fahrtkosten (Mindestbuchung 2 Schulklassen)
Dauer: 2 Stunden
Informationen und Buchung: Alexander Hobiger
0699/ 818-36-773, hobiger@kumkum.at bzw. kontakt@kumkum.at

Dieser Workshop entstand in Kooperation mit dem Buchklub der Jugend.

Spuren aus der Vergangenheit – auf Zeitreise in die Steinzeit

3. bis 6. Schulstufe
Der historische Bogen spannt sich von der modernen Wissenschaft von heute bis zur Steinzeit.
Als Wissenschaftler dokumentiert, rekonstruiert und bearbeitet ihr einen „archäologischen Befund“ und lernt als Anthropologinnen die Welt der Knochen kennen. Vom mittelalterlichen Tanz bis zum Feuerschlagen mit Funkeneisen könnt ihr in zahlreichen Stationen interessante Erfahrungen sammeln.

Preis: 150€/ Schulklasse zuzgl. Fahrtkosten (Mindestbuchung 2 Schulklassen)
Dauer: 2 Stunden
Informationen und Buchung: Alexander Hobiger
0699/ 818-36-773, hobiger@kumkum.at bzw. kontakt@kumkum.at

Dieser Workshop entstand in Kooperation mit dem Buchklub der Jugend.

Mödlinger Kulturtage 2017

Alle Jahre wieder finden die Mödlinger Kulturtage statt, die von Kulturstadträtin Dr. Karin Wessely ins Leben gerufen wurden. Dieses Mal geht es um das Thema „Bildende Kunst“. Natürlich sind wir vom KUM-Verein wieder dabei, um Kunst an Menschen zu vermitteln. Unser beliebter Zeitreisekoffer VIDULUS ist mit von der Partie und unterhält kleine Besucher mit dem Bilderrätsel „Ich seh, ich seh was Du nicht siehst“. Große Besucher erkunden beim Adventure Game die Mödlinger Innenstadt und werden Teil einer Kriminalgeschichte. Als begeisterte Geocacher werden wir schließlich Cacher zu einem Kunstprojekt animieren, bei dem sie spannende Cache-Erlebnisse zeichnerisch umsetzen. Neulinge können sich bei uns über dieses spannende Hobby informieren. Alle Infos zu den Mödlinger Kulturtagen findet Ihr auf der von uns gestalteten Homepage: http://kulturtage-moedling.at/

Unsere Programmpunkte im Überblick:
• 09.09.2017 10:30h Interaktives Bilderrätsel – Ich seh, ich seh was Du nicht siehst (Dauer 1h, Untere Bachgasse/Station 4)
• 09.09.2017 11:30h Adventure Game rund um Mödlings Kunst (Dauer 1h, Untere Bachgasse/Station 4)
• 09.09.2017 13:00h Geocaching rund um Mödlings Kunst (Dauer 1h, Untere Bachgasse/Station 4)
• 13.10.2017 15:00h Interaktives Bilderrätsel – Ich seh, ich seh was Du nicht siehst (Dauer 1h, Schrannenplatz ggü. Fielmann)
• 14.10.2017 11:30h Adventure Game rund um Mödlings Kunst (Dauer 1h, Schrannenplatz ggü. Fielmann)
• 14.10.2017 12:30h Geocaching rund um Mödlings Kunst (Dauer 1h, Schrannenplatz ggü. Fielmann)

Die Goldenen Zwanziger (Ausstellung Stadtgalerie Mödling 2017)

INFOS ZUR AUSSTELLUNG
Die Ausstellung „Die Goldenen Zwanziger. Zwischen Notgeld und Charleston“ findet von 11.–31. Mai 2017 in der Stadtgalerie Mödling statt. Die Öffnungszeiten sind MO 10–19h, DI–FR 10–17h und SA 10–13h. Es gibt mehrere Veranstaltungen zum Ausstellungsthema. Unter anderem nimmt die Stadtgalerie am Museumsfrühling Niederösterreich am 20. und 21. Mai 2017 teil und bietet Familienführungen, eine Lesung sowie musikalische Programme. Wir vom KUM-Verein begeben uns mit mutigen Abenteurern am Sonntag 21. Mai wieder mit Vidulus auf Zeitreise und diesmal geht es in die 20er Jahre (für Kinder ab 6 Jahre).
Warum wir uns gerade die 20er Jahre ausgesucht haben, erfahren Sie in diesem Blogbeitrag.

Bei Besuch der Ausstellung finden Sie zu jedem Themengebiet eine Texttafel. Möchten Sie noch mehr Informationen, so können Sie über den dazugehörigen QR ausführliche Texte auf unserer Homepage abrufen. Diese Zusatzinformationen finden Sie auch in einem übersichtlichen Inhaltsverzeichnis gegliedert.

DIE GESTALTER DER AUSSTELLUNG
Mag. Marina Gschmeidler (KUM): Konzept, Ausstellungsdramaturgie, Texte und Inhalte
Viktor Kabelka (kid): Leihgeber, Recherche, photographische Gestaltung
Dr. Christian Matzner (Museum Mödling): Leittexte und Bilder, Layout
Wolfgang Gärber (KUM): Ausstellungstechnik, Aufbereitung und Präsentation (Video und Audio)
Josef Henk (Landesinnungsmeister der Fotografen Niederösterreich): Layout und Druck der Bildtafeln
Doris Pikisch (Stadtgalerie Mödling): Layout und Druck der Texttafeln (Leittexte)

DANKSAGUNG:
Ohne die Hilfe und Mitarbeit von vielen engagierten Mitmenschen, wäre die Ausstellung nie zustande gekommen. Deswegen möchten wir uns herzlich bei allen bedanken, die sich von unserer Begeisterung anstecken ließen und uns Stunden ihrer wertvollen Zeit schenkten!! Die ausführliche Version zur Entstehung der Ausstellung ist in „The Making-Of“ nachzulesen.
„In order of appearance“:
Mag. Manfred Pongratz: Stadtarchiv Mödling
Dr. Nikolaus Wostry und Susanne Rocca (Filmarchiv Austria): Auswahl und Bearbeitung der Filmbeiträge
Dr. Claudia-Maria Behling (KUM): Homepage und QR-Codes
Werner Burg: Interviews zu Gesellschaft und Geschichte Mödlings
Dr. Anatol Eschelmüller: Leihgeber und Berater (Mode und Kosmetik)
Sonja Karner: Make-up Artist, Leihgeberin und Beraterin (Kosmetik und Mode)
Literarische Gesellschaft Mödling: Archiv und Leihgaben
Petra Gesperger, BSc: Layout Chronik

Zur Themenwahl
The Making-Of
Inhaltsverzeichnis

Fotos von der Eröffnung am 10.05.2017 (Fotos: Gabriele Schätzle):

Warum die 20er Jahre?

Um zu verstehen, warum wir so sind, wie wir sind, warum wir ein gutes Leben führen können, aber auch um zu verstehen, warum andere Menschen diese Privilegien nicht haben, ist es unumgänglich, sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzten. „Ein bisschen mehr verstehen“ lernen, ist wahrscheinlich alles, was eine Ausstellung bieten kann. Und doch ist es sehr viel. Denn jeder, der ein „bisschen mehr versteht“ ist ein wenig stärker gegen Einflussnahmen von außen gewappnet und weniger anfällig, Vorurteile zu übernehmen.

Das Trauma, das der letzte Weltkrieg hinterlassen hat, sitzt tief, so tief, dass die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit bis heute nicht leichtfällt. Doch es kommt nicht darauf an, Menschen an den Pranger zu stellen und schuldig zu sprechen, sondern darauf, einen genauen Blick auf die Gesellschaft zu werfen, die diese Menschen hervorgebracht hat. Und die 20er Jahre sind der perfekte Zeitraum dafür. Denn hier werden die Weichen gestellt. Hier kann man sehen, wie sich Menschen an ihrer Hoffnung aufzurichten beginnen und voller Zuversicht imstande sind, ihr Bestes zu geben. Menschen, die vielfach nichts anderes besaßen, als Herz und Verstand und nur mit diesem „Grundkapital“ ausgerüstet trotz der desolaten Umstände, Unglaubliches leisteten. Vielleicht nicht für sich selbst, aber für uns, ihre Enkel, Urenkel, Ururenkel.

Was macht der Krieg aus den Menschen? Wie verändert die Not den Einzelnen? Und was passiert mit einem, wenn letztendlich alle Hoffnungen zerstört sind? Wir hoffen, dass wir mit unserem kleinen Beitrag ein bisschen näher an die Antworten herankommen. Und „ein bisschen mehr verstehen.

The Making-Of
Zur Ausstellung
Inhaltsverzeichnis der Ausstellungstexte

3 Monate in den Zwanzigern: das „Making Of“ einer Ausstellung

Schon länger liebäugelte Doris Pikisch (Stadtgalerie Mödling) mit der Idee, eine Ausstellung über die Zwanziger Jahre zu zeigen.  Als sie mir von diesem Vorhaben erzählte, war ich hellauf begeistert und sagte spontan zu, die Ausstellung „Die Goldenen Zwanziger. Zwischen Charlestin und Notgeld“ in Zusammenarbeit mit dem Verein kid (Kultur im Dorf, Gießhübl) zu konzipieren und vorzubereiten. Die Zeit drängte, wir hatten nämlich nur drei Monate, bis zur für Mai geplanten Eröffnung. Das klingt vielleicht nicht so schlimm, aber in Wahrheit braucht es mindestens 6 bis 12 Monate, um eine Ausstellung dieses Ausmaßes vorzubereiten. Dennoch nahmen wir mit Freude die Herausforderung an: Von nun an verging kein Tag, an dem wir uns nicht für mindestens fünf bis 10 Stunden in die 20er Jahre „begaben“.

Viktor Kabelka (Verein kid) recherchierte Tag und Nacht in den Unweiten des Internet und durchstöberte sein Archiv nach interessantem Material – und mit „Archiv“ ist hier kein Kammerl mit 12 übereinandergestapelten Bananenkartons gemeint. Im Zuge dieser Vorbereitungen stieß er dann auch auf filmhistorisch unglaublich interessante Zeugnisse. So etwas lässt das Herz einer Filmwissenschafterin wie mir, Marina Gschmeidler, natürlich höherschlagen, zumal ich bereits während meines Studiums die Liebe zum Stummfilm entdeckt habe und die Gelegenheit hatte, mich im Filmarchiv Austria während eines Praktikums mit der Materie vertraut zu machen. Nun setzten wir uns umgehend mit dem Filmarchiv Austria in Verbindung. Ich bin sehr froh, dass hier eine Kooperation zustande kam. Eine Ausstellung über die Zwanziger zu machen, ohne Filme aus dieser Zeit zeigen zu können, wäre nur eine „halbe Sache“ gewesen, wenn man bedenkt, wie wichtig das Medium Film damals wurde.

Während Viktor im Internet umherstreifte, wühlte ich mich durch einen Berg Bücher und begab mich in das Stadtarchiv Mödling, das uns auch bereitwillig unterstützte. Doch schriftliche Quellen sind nicht alles. Die wirklich wichtigen Dinge im Leben lernt man von den Menschen, die man trifft. Es geht also nichts über das persönliche Gespräch. Dafür stand mir Altbürgermeister und waschechter Mödlinger Werner Burg in zahlreichen Gesprächen zur Verfügung. Es gibt Menschen, die einfach nur über ihre Kindheits- und Jugenderinnerungen erzählen und es gibt solche, die jede ihrer Erinnerungen noch einmal reflektieren und hinterfragen, die niemals aufhören, sich Gedanken zu machen und die sich nicht einfach mit scheinbaren Gegebenheiten abfinden. Ich bin froh, von solchen Menschen lernen zu können!

v.l.n.r: Dr. Nikolaus Wostry (Filmarchiv Austria), Mag. Marina Gschmeidler (KUM), Viktor Kabelka (kid)

DIE GESTALTER DER AUSSTELLUNG
Mag. Marina Gschmeidler (KUM): Konzept, Ausstellungsdramaturgie, Texte und Inhalte
Viktor Kabelka (kid): Leihgeber, Recherche, photographische Gestaltung
Dr. Christian Matzner (Museum Mödling): Leittexte und Bilder, Layout

The Making-Of
Hintergrundinfos zur Themenwahl
Inhaltsverzeichnis der Ausstellungstexte

Liane Haid 1895–2000

Liane Haid wurde im Jahr als Tochter eines Musikalienhändlers in Wien Alsergrund geboren. Sie machte eine Ausbildung als Tänzerin und stand schon als Kind auf der Bühne der Hofoper. Als die erste Wiener Filmgesellschaft, die Wiener Kunstfilm, gegründet wurde, wirkte Haid, die großes Interesse für dieses neue Medium hatte, von Beginn mit und spielte von 1915–1918 bereits in 18 Filmen.
1923 heiratete sie den Baron Fritz von Haymerle, der ihr eine eigene Filmfirma, die Micco-Film schenkte.
Ihren großen Durchbruch hatte Liane Haid als Protagonistin und Partnerin von Conrad Veidt in Richard Oswalds Historienfilm Lady Hamilton im Jahr 1921. 1922 spielte sie mit Veidt sowie Albert Bassermann und Adele Sandrock in Lucrezia Borgia. Es folgten Liebesfeuer (1925) und Die Brüder Schellenberg (1926) sowie Die Csardasfürstin (1927).

Den Übergang von Stumm- auf Tonfilm konnte Liane Haid bravourös meistern und wirkte in über 30 Tonfilmen mit. Im Jahr 1930 machte sie Robert Stolzs Lied Adieu, mein kleiner Gardeoffizier an der Seite von Willi Forst in Das Lied ist aus zum unvergessenen Schlager. Liane Haid und Willi Forst wurden zu einem der beliebtesten Filmpaare.
In den 30er Jahren drehte sie noch einige Filme in Österreich (Ungeküßt soll man nicht schlafen gehen, 1936 und Peter im Schnee, 1937) und England (Whom The Gods Love, 1936). In den 1940ern flüchtete sie mit ihrem Sohn in die Schweiz und heiratete dort den Schweizer Arzt Carl Spycher, den sie jahrelang auf seine Reise in die Tropen begleitete. Ein Comeback in den 50er Jahren scheiterte. 1992 erhielt sie den Deutschen Filmpreis und den Wiener Rosenhügelpreis. Liane Haid verstarb mit 105 Jahren in der Schweiz. Sie verkörperte den Typus des natürlichen, feschen und unkomplizierten Wiener Mädels.

Quellen:
Film Zeit, Liane Haid
Wien Geschichte Wiki, Liane Haid
Wikipedia, Liane Haid

Journalismus und Gesellschaftskritik

Hugo Bettauer und Die Stadt ohne Juden
Im Oktober 2015 machte ein Filmsammler auf einem Pariser Flohmarkt eine sensationelle Entdeckung: er fand die vollständige Kopie eines Filmes, der bis dato als verschollen gegolten hatte – Eines Filmes, dessen Buchautor und Regisseur nur einige Monate nach der Uraufführung im Jahr 1924 von einem Nationalsozialisten erschossen worden war. Der Autor hieß Hugo Bettauer, der Film Die Stadt ohne Juden.

Hugo Bettauer – ein Opfer des Populismus
Hugo Bettauer war Romanschriftsteller, Feuilletonist und Zeitschriftenherausgeber. 1872 als Sohn jüdischer Eltern in Baden bei Wien geboren, besuchte er in Wien das Gymnasium, wo Karl Kraus sein Klassenkamerad war. Mit achtzehn trat er aus der jüdischen Gemeinde aus und konvertierte zum Protestantismus. Nach dem Tod der Mutter ging er nach Amerika, dann als Zeitungsredakteur nach Berlin und Hamburg und wieder zurück in die USA, wo er als Journalist tätig war. Bettauer schrieb für das New Yorker Morgen-Journal Gegenwartsromane, deren Handlung im Milieu der deutschen und österreichischen Emigranten angesiedelt war.  1908 kehrte er als amerikanischer Staatsbürger nach Österreich zurück und nahm ihn Wien seine journalistische Tätigkeit auf. Wegen seiner Vorliebe, Skandale aufzudecken, war Bettauer immer wieder Zielscheibe harter Kritik.

1920 erschien seine erste Buchveröffentlichung mit dem Titel Faustrecht, es folgte eine Reihe von Wiener Kriminal- und Sittenromanen, die die Lebenswirklichkeit der jungen Republik spiegelten und den Autor zu einem der beliebtesten und erfolgreichsten Schriftsteller seiner Zeit machten. Das Wien der Gegenwart war Bettauers Thema, er beschrieb auf vortreffliche und sarkastische Weise Neureiche und Kriegsgewinnler, Parvenus und gestrandete Existenzen. Bettauer zeichnete ein messerscharfes Gesellschaftsbild der Zeit, er galt als der „Autor des kleinen Mannes“. Seine Romane erschienen als Fortsetzungen in seinen Zeitschriften. Er schrieb sie ähnlich einer Kolumne meist von einen Tag auf den nächsten und wusste oft erst während des Schreibens, wie sich die Handlung entwickeln sollte. Das zeugt von einem unheimlich regen Geist und einem treffsicheren Gespür für jede Aktualität. Selbst, wenn Schriftsteller und Kritiker die Nase über ihn rümpfen, Bettauer hatte eine vortreffliche Beobachtungsgabe und war äußerst sprachgewandt. Die Sujets seiner Romane schrien geradezu nach einer Verfilmung. So wandten sich Regisseure an ihn, der berühmteste war wohl Georg Wilhelm Pabst, der Bettauers Roman Die freudlose Gasse 1925 verfilmte. Die Handlung spielt in Wien, auch die Dreharbeiten fanden in Wien statt, in den Hauptrollen Asta Nielsen und Werner Krauss.
Zuvor waren aber schon einige andere Bettauer Romane verfilmt worden, auch der Roman Die Stadt ohne Juden, der 1922 erschienen war.

Die Stadt ohne Juden. Ein Gedankenexperiment als Versuch der Vermittlung
Die Handlung von Die Stadt ohne Juden. Der Roman von übermorgen (1922)  ist schnell erzählt: Österreich steht vor dem wirtschaftlichen Ruin. Die Schuld daran wird den Juden zugeschrieben. Also beschließt das Parlament, die Ausweisung aller Juden. Doch das verschlechtert die Situation Österreichs noch viel mehr, weswegen man die Juden wieder zur Rückkehr überredet.

Die Pro- und Kontra-Redner meldeten sich zu Wort. Die Sozialdemokraten sprachen gegen das Gesetz. Als aber ihr Führer Weitherz in ruhigen und sachlichen Worten seiner Entrüstung Ausdruck gab und den Gesetzentwurf als ein Dokument menschlicher Schmach bezeichnete, entstand ein furchtbarer Tumult, die Galerie warf mit Schlüsseln und Papierknäueln nach den Sozialdemokraten, es kam zu einer Prügelei, und die kleine Opposition verließ unter Protest den Saal. Der christlichsoziale Abgeordnete Pfarrer Zweibacher pries Dr. Schwertfeger als modernen Apostel, der würdig sei, dereinst heilig gesprochen zu werden, die großdeutschen Abgeordneten Wondratschek und Jiratschek aber beleuchteten das Gesetz lediglich vom Rassenstandpunkt, und Jiratschek, der stark mit böhmischen Akzent sprach, schluchzte vor Ergriffenheit und schloß mit den Worten:
»Wotan weilt unter uns!«
(Hugo Bettauer. Die Stadt ohne Juden. Ein Roman von übermorgen)

Für den Leser von heute mit dem Wissen um Holocaust und Deportationen ist die Herangehensweise an den Roman sowie dessen Verfilmung schwierig. Was Bettauer als satirisch überzeichnete Utopie gezeichnet hat, offenbart sich für den Leser der Gegenwart wie eine unheimliche Prophezeiung,die viele Details dessen, was in den 30er Jahren wirklich geschehen sollte, vorwegnahm. Es ist nur bedingt möglich, sich in diesem konkreten Fall auf den humoristisch-satirischen Charakter einzulassen, der Bettauers Schriften prägt.
In einer Zeitungsglosse beschrieb Bettauer im Juli 1922 die Inspiration, die ihn auf dieses Thema brachte:

Als ich einmal einen jener Orte aufsuchte, an denen man sich nicht länger aufzuhalten pflegt, als unbedingt notwendig ist, sah ich nebst anderen erbaulichen Inschriften auf den Wänden auch mehrfach die kategorische Aufforderung prangen „Hinaus mit den Juden!“ Dieser Sehnsuchtsschrei eines sicher sonst ganz braven Mannes, den man ja auch in den Plakaten unter dem lieblichen Hakenkreuz findet (und) auf der Elektrischen oft genug hört (…), regte meine Phantasie zu spielerischen Gedanken darüber an, wie dieses Wien sich wohl entwickeln würde, wenn die Juden tatsächlich einmal der höflichen Aufforderung folgten und die Stadt verließen.

Für die Verfilmung im Jahr 1924 durch den jungen Wiener Regisseur Karl Breslauer musste das Buch „politisch entschärft“ werden, um die innenpolitischen Konflikte nicht noch mehr aufzuheizen. So wurde es umfassend umgearbeitet. In wichtigen Rollen waren Johannes Riemann, Eugen Neufeld und Hans Moser zu sehen. Schon die Dreharbeiten erregten großes Interesse, die sich in der umfangreichen Berichterstattung in der Wiener Presse äußerte.  Im Juli kam es zu Uraufführung. Die Kinosäle waren überfüllt, größere Skandale blieben aus. Dennoch gab es lebhafte Proteste und Störaktionen von jungen Nationalsozialisten, die Stinkbomben in die Kinosäle warfen.

Mit Bissigkeit schilderte Bettauer die judenfeindliche Gesinnung seiner Zeit. Antisemitismus war zu einer Alltagserscheinung geworden, vielfach gar nicht hinterfragt und unreflektiert und wurde als „naturgegebene Zeiterscheinung“ hingenommen. Antisemitismus hatte schließlich in den 20er Jahren eine bereits über 100 Jahre alte, traurige „Tradition“. Von Politikern und politischen Aktivisten wurde ausgenutzt, ja der Judenhass durch aggressive Reden noch geschürt. Mit seinem Roman wollte Bettauer zwischen den verschiedenen Gesinnungen vermitteln, was ihm leider misslang. Alle fühlten sich indigniert. Es war und blieb das einzige Mal, dass sich Bettauer auf kritische Weise mit dem Antisemitismus auseinandersetzte.

Der Bettauer-Skandal und seine Folgen
Im Februar 1924 brachte Bettauer ein Wochenblatt heraus: Er & Sie. Wochenschrift für Lebenskultur und Erotik. Er setzte sich für Scheidungsrecht, Schwangerschaftsabbruch und Straffreiheit für Homosexualität ein und nahm auf sehr aufgeklärte Weise zu gesellschaftlich brisanten Fragen der Zeit Stellung, wie Mieterschutz, Erotik außerhalb der Ehe und die Gleichberechtigung der Frau. Die Zeitschrift war keineswegs ein „Schmutzblatt“, sondern sah sich vielmehr als ein Medium der Aufklärung, in dem sogar Fachärzte Fragen beantworteten. Bettauer verwehrte sich gegen jede Scheinmoral und Unterdrückung. Nach der fünften Ausgabe der Zeitschrift wurde er angeklagt: „Vergehen gegen die öffentliche Sittlichkeit“ und „Vergehen gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung“ waren die Vorwürfe. Wegen der Kontaktanzeigen, die Bettauer in seiner Zeitschrift unter der Rubrik „Menschen, die einander suchen“ drucken lässt, wurde ihm auch noch „gewerbsmäßige Kuppelei“ vorgeworfen. Hier zwei Beispiele für Kontaktanzeige in Bettauers Wochenblatt:
Junger Beamter möchte wohlhabende Dame kennen lernen! Unter „Stierkämpfer“ 1048 an die Exped

Mein frohsinniger Lebensmut ist zuviel für mich allein. Laßt ihn mich mit einem lieben herz- und leibgesunden Mädel teilen. Schreibt unter „Bucephalos 1098! An die Exped.

In der Folge fand eine regelrechte Hetze gegen Bettauer statt, Lynchjustiz wird gefordert. Beschimpfungen wie „Schlammwühler“, „perverses Kloakentier“, „geiles Untier“, „Schweinehund“, „Industrieritter der Erotik“ oder „gewerbsmäßiger Pornograph“ werden immer häufiger. Er wird zum Feindbild für Frauen- und Elternvereine, Antisemiten, Nationalsozialisten und Christlich-Soziale. Bettauer wird das Image des perversen Sittenverderbers verpasst. Inzwischen gab er ein neues Wochenblatt heraus: Bettauers Wochenschrift. Probleme des Lebens. Beim Prozess im September wird Bettauer von allen Anklagepunkten freigesprochen.
Bettauers Beliebtheit bei seinen treuen Lesern geht auch darauf zurück, dass man ihn als Seelentröster sah. Er leistete eigentlich Sozialarbeit, indem zweimal die Woche Sprechstunden, eine Art „Seelenordination“, in seiner Redaktion abhielt.
Auch am 10. März 1925 war jemand für ein Gespräch in seinem „Sprechzimmer“ angemeldet: der 21jährige Zahntechniker Otto Rothstock. Mit einem fingierten Brief verschaffte sich Rothstock Zutritt zu Bettauers Büro, während dieser den Brief entgegennahm und den jungen Mann aufforderte, ihm zu folgen, sperrte jener heimlich die Tür zu. Und während Bettauer den Brief las, zog Rothstock eine Pistole, rief „Passen Sie auf, Herr Doktor!“ und schoss fünf Mal auf ihn. Mehr Schüsse hatte er nicht. Bettauer konnte noch aus dem Raum fliehen, brach aber sogleich blutüberströmt zusammen. Während er um sein Leben kämpfte, schloss sich Rothstock in Bettauers Büro ein und zerriss alles, was ihm in die Finger kam. Er verharrte dort, bis er von der Polizei abgeholt wurde. Hugo Bettauer wurde schwerverletzt, aber noch lebend in das AKH gebracht. Erst 16 Tage später erlag er seinen Verletzungen. Rothstock wurde wegen Mordes angeklagt, bei der Verhandlung gab er als Tatmotiv an, dass er seine Altersgenossen von sittenverderbenden Typen wie Bettauer schützen wollte. Ein prominenter Nationalsozialist übernahm kostenlos seine Verteidigung. Obwohl Rothstock einstimmig des Mordes und des illegalen Waffebesitzes für schuldig erklärt wurde, zweifelten die Geschworenen an seiner Zurechnungsfähigkeit und wurde freigesprochen. Er wurde in eine Nervenheilanstalt eingewiesen und 1927 wieder als freier Mann entlassen. Bettauers Wochenschrift wurde eingestellt.
So hat die immer aggressiver werdende Rhetorik kompromissloser Politiker, die letztendlich ihren Beitrag zum Ende der ersten Republik leisten sollte, wieder einmal ein Todesopfer gefordert: einen Mann, der von vielen intelligenten und kritischen Zeitgenossen hoch geschätzt wurde, wie folgender Entwurf zu Bettauers Nachruf von Robert Musil bezeugen kann:

Wir betrauern in dem Dahingeschiedenen einen Mann von vorzüglichen Gaben des Herzens.(…) Impulsiv, empfänglich, hatte er die Gabe, das auszusprechen, was tausende fühlten…es leitete ihn die ehrliche Überzeugung, zu bessern. Und er fiel für die vornehmste Aufgabe seines Berufs: das auszusprechen, was man für richtig hält.

Quellen:
Hugo Bettauer. Die Stadt ohne Juden. Ein Roman von übermorgen (verfügbar auf Spiegel online)
Murray Hall: Hugo Bettauer. In: Elektrische Schatten. Beiträge zur Österreichischen Stummfilmgeschichte. Wien: Filmarchiv Austria, 1999