Wege zum Wohlfahrtsstaat vor dem Krieg

Bereits im 19 Jahrhundert war in Form des konservativen Sozialstaatmodells der Grundstein für den Sozial- und Wohlfahrtsstaat gelegt worden. Damals stand in erster Linie die Armutsproblematik im Vordergrund. Mit der steigenden Produktivität mussten die Rahmenbedingungen der Arbeiter an die kapitalistischen Produktionsbedingungen angepasst werden. So wurde 1888/89 die Kranken- und Unfallversicherung eingeführt. Zudem wurde die Arbeitszeit in den Fabriken auf elf Stunden gesenkt. Die Arbeit von Kindern und Jugendlichen wurde reguliert, der Staat begann mit der Regelung der Arbeitsbedingungen. Pensionsversicherung für Privatangestellte wurde eingeführt und auch die Ladenschlussregelung für Handelsangestellte. Durch den Ersten Weltkrieg setzten sich aber wieder regressive Tendenzen durch, z. B.  die Aufhebung der Maximalarbeitszeit.

Nach dem Krieg
Die erste Republik war gekennzeichnet durch den Ausbau der Sozialpolitik. Nach dem ersten Weltkrieg wurden im Rahmen des Arbeitsrechts folgende Maßnahmen gesetzt: Einführung des Achtstundentages, Einführung des Arbeiterurlaubs, Betriebliche Mitbestimmung, Regelung der Kollektivverträge
1920: Einführung der Arbeitslosenversicherung, Regelungen betreffend Angestellte und Land- und Forstarbeiter

Und die Frauen wieder zurück an den Herd
Während die Männer im Krieg waren, hatten vielfach Frauen ihr Plätze eingenommen. Sie waren nun berufstätig und konnten ihre Familien erhalten. Als die Männer aus dem Krieg zurückkehrten, beanspruchten diese aber wieder ihre früheren Arbeitsstellen. Die Arbeitslosenpolitik unterstützte sie dabei, sie zielte nicht darauf ab, auch Frauen in der Berufswelt zu integrieren. Viele Frauen bedauerten es, die Rolle der Familienerhalterin zu verlieren und an den heimischen Herd zurückkehren zu müssen.

Pazifisten und neue Helden
Nach dem Krieg wollte zunächst niemand mehr etwas vom Militär wissen.  Sogar Antikriegsbewegungen bilden sich: die ersten „Hippies“ Europas treffen sich und propagieren Freikörperkultur und freie Liebe, so etwa am Monte Verita am Lago Maggiore, wo sich eine Künstlerkolonie ansiedelt.
Doch der Pazifismus der ersten Nachkriegsjahre zerbrach in den wirtschaftlichen und politischen Krisen danach. Auf den Straßen Österreichs fand ein Kampf der Ideologien statt, der von Feindbildern geprägt und von Angst geschürt wurde. Es war der Kampf, der die Zwischenkriegszeit Europas prägte: der Kampf zwischen Kommunismus und Nationalismus.
Immer öfter und immer stärker wurde ein neues Soldatentum propagiert. Neue Heldenbilder wurden generiert. Verklärende Kriegsbiographien in Buchform oder tapfere Einzelkämpfer in Bergfilmen prägten ein Bild von „neuen Helden“ und hatten starken Einfluss auf viele junge Menschen.

Quellen:
Emmerich Tálos/Marcel Fink: Der Österreichische Wohlfahrtsstaat: Entwicklung und Herausforderungen (2001).
Andreas Novak und Wolfgang Stickler: Krisen, Morde, Bürgerkriege. Edition ORF Doku, 2014 (online bei You-Tube einsehbar).