Der Sport in den 1920er Jahren

Vielfach vollzog sich eine Entwicklung vom Amateur- zum Profisport. Die Sportler begannen sich zu organisieren, Sport-Promoter machten sich auf die Suche nach neuen Talenten. Sport wurde zu einem wichtigen wirtschaftlichen Faktor.

Österreich
In den Zeitungen wurde immer sehr ausführlich über Fußballspiele berichtet und bald wurden die Spiele auch im neuen Medium Radio übertragen. Die RAVAG-Reporter berichteten darüber von Beginn an, 1923 nahm der erste Probesender den Betrieb auf und 1930 gab es bereits 400.000 zahlende Abonnenten. Sportreporter und Sportfotografen waren sehr populär. Pionier der Sportphotographie in Österreich war Lothar Rübelt.

Der Sport und somit auch die Sportler waren so beliebt, dass die Herrenmode sich Anleihen beim Sport nahm, vor allem bei der Golf- und Tennismode.
Durch die Schwimmvereine lernten immer mehr Menschen schwimmen. Auch Bodybuilding gab es, nur hieß dieser Sport damals „Stemmen“.
In den 20er Jahren wurde ein neues Sportgerät erfunden: das Rhönrad. Es bestand aus zwei Reifen, die durch sechs Sprossen miteinander verbunden waren: zwei Spreizsprossen, zwei Griffsprossen und zwei Brettsprossen.

In den 20er Jahren gab es in Österreich sehr schneereiche Winter, vor allem 1924, als auf dem Anninger eine Rodelbahn gebaut wurde, auf der bis 1933 Rennen gefahren wurden.
Schifahren war ein Sport, den man nicht im Verein betrieb. Oft war es möglich vom Haus weg mit den Schiern zu gehen, da die Straßen bei Schneefall nicht geräumt wurden wie heute. Ziele waren der Eichkogel, das Hagenauertal, der Liechtenstein, die Seewiese oder der Gießhübl. Als Schischuhe verwendete man festere Straßenschuhe, in die man hinten ein paar „Tscheanken“ gab, damit die Bindung nicht hinunterrutschte. Wenn auch Mädchen das Schifahren ausprobieren wollten, liehen sie sich die Schi von Freunden und Knickerbocker vom Bruder.

In den USA war Football der prominenteste Sport, Tennis- und Golfmeisterschaften erfreuten sich großer Beliebtheit. Ruderregatten wurden organisiert. Sportveranstaltungen zogen mehr Publikum an als alles andere.

Bademode
Durch die Schwimmvereine lernten immer mehr Menschen schwimmen. Stadtbäder wurden errichtet, Menschen in Badekleidung waren ein vertrautes Bild. Die Bademode erregte vielfach die Gemüter. Die umständlichen, dunklen Badekleider der Damen, ein Relikt aus der Kaiserzeit, wurden durch Badetrikots abgelöst. Der Schnitt wurde recht verwegen, die Damen zeigten wie die Herren ihre Knie. Zudem wurden die Badeanzüge heller und bunter. Ab 1928 kamen in den Vereinigten Staaten die ersten zweiteiligen Badeanzüge auf.

Erstmals traten sehr knappe Badehosen für Männer auf, sogenannte Dreiecksbadehosen, die vielfach als skandalös betrachtet wurden. Ältere und konservativere Herren bevorzugten Herrenbadeanzüge.
Freilich war die neue Bademode nicht überall zu sehen. Ältere Damen und die Vielen, die sich die neuen Modelle nicht leisten konnten, trugen als „Badeanzüge“ so genannte „Turnerhosen“. Das waren schwarze Hosen aus einem Stoff namens „Kloth“ und schwarze Klothschürzen, die mit einer Sicherheitsnadel am Rücken zusammengehalten wurden. Wenn sie im Wasser waren, sahen die Frauen aus, als hingen sie an schwarzen Ballons, weil sich diese Badekleidung so aufblähte. Es gab auch Badeanzüge aus Baumwolle mit einem Röckchen dran, die aber für Viele unerschwinglich waren.
Als Schwimmhilfen verwendete man Petroleumkanister, Schweinsblasen und selbst genähte Schwimmreifen mit einem Einsatz, der mit Schichtseife imprägniert war.

SIEGE – REKORDE – WETTKÄMPFE 1920–1929
1920

  • Der amerikanische Nationalheld George Herman („Babe“) Ruth (1895–1948) wechselt für die bis dahin höchste Ablösesumme im Baseball von 125.000 Dollar von den Boston Red Sox zu den New York Yankees
  • Offizielle Eröffnung der VII. Olympischen Spiele in Antwerpen, die bis zum 12. September dauern. Die Sportler kommen aus 29 Staaten, Vertreter der ehemaligen Mittelmächte sind nicht eingeladen
  • Österreich gewinnt im Fußball gegen Deutschland mit 3:2


1921

    • In Monte Carlo beginnen die ersten olympischen Spiele der Frauen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) schließt Frauen weiterhin von den Olympischen Spielen aus
    • In einem als „Boxkampf des Jahrhunderts“ bezeichneten Kampf verteidigt der Amerikaner Jack Dempsey seinen Weltmeistertitel im Schwergewicht gegen den Franzosen Georges Carpentier vor 120.000 Zuschauern durch einen K. O. in der vierten Runde.
    • In Les Mans wird nach Ende des Ersten Weltkriegs der erste Große Preis des französischen Automobilclubs ausgetragen


1922

    • Die Wienerin Herma Planck-Szabó wird in Stockholm Weltmeisterin im Eiskunstlauf
    • Johnny Weissmüller stellt in Alameda (Kalifornien) in genau 58,6 Sekunden einen neuen Weltrekord über 100 Meter Freistil-Schwimmen auf
    • In Brooksland (USA) findet ein Autorennen statt, das Gegenstand der ersten Sport-Rundfunkreportage wird.
    • In Paris finden die ersten Frauen-Weltspiele der Leichtathletik statt
    • Der finnische Sportler Paavo Nurmi läuft mit 14:35,4 Minuten einen neuen Weltrekord über 5.000 Meter


1923

    • Fritz Kachler (Österreich) wird in Wien zum dritten Mal Weltmeister im Eiskunstlauf, Herma Planck-Szabó zum zweiten Mal
    • Das Wembley-Stadion in London wird mit dem Cupfinale zwischen West Ham United und den Bolton Wanderers eröffnet.
    • In Le Mans findet das erste 24-Stunden-Rennen statt


1924

    • In Chamonix (Frankreich) fand die Internationale Woche des Sports statt, die vom IOC nachträglich (im Jahr 1926) zu den ersten Olympischen Winterspielen erklärt wurde. Österreich gewinnt 2 Goldmedaillen: Eiskunstlauf der Damen (Herma Planck-Szabó) und Eiskunstlauf der Paare (Helene Engelmann und Alfred Berger) sowie eine Silbermedaille: Eiskunstlauf der Herren (Willy Böckl)
    • Herma Planck-Szabó (Österreich) wird in Oslo zum dritten Mal Weltmeisterin im Eiskunstlauf
    • Helene Engelmann und Alfred Berger (Österreich) werden in Manchester Weltmeister im Eiskunstlauf der Paare
    • In dem Wintersportort Chamonix in Frankreich wurde der Internationale Skiverband gegründet
    • In Paris begannen die VIII. Olympischen Spiele der Neuzeit. Österreich: 3 silber-, 1 Bronzemedaille, alle in Schwerathletik. Federgewicht: 2. Andreas Stadler; Leichtgewicht: 2. Anton Zwerzina; Schwergewicht: 2. Franz Aigner; Halbschwergewicht: 3. Leopold Friedrich
    • Einen friedlichen, einen sportlichen Zweck hatte die sogenannte Hitzeschlacht von Colombes. Dieses Querfeldeinrennen fand innerhalb der VIII. Olympischen Spiele in Paris statt. Nur 15 von 38 Teilnehmern schafften bei 45 Grad Celsius den Zieleinlauf. Der Finne Paavo Nurmi gewann die Goldmedaille.


1925

    • Herma Planck-Szabó (Österreich) wird in Davos zum vierten Mal Weltmeisterin im Eiskunstlauf. Planck-Szábo und Ludwig Wrede (Österreich) werden Weltmeister im Eiskunstlauf der Paare
    • Der amerikanische Sportler Johnny Weissmuller schwimmt mit 2:15,2 Minuten einen neuen Weltrekord über 200 m Freistil
    • Die Mannschaft der USA gewann zum sechsten Mal hintereinander den Tennis-Davis-Cup
    • Den Weltrekord über 400 m Freistil wird von dem schwedischen Schwimmer Arne Borg in Stockholm auf 4:50 min verbessert
    • Gene Tunney gewinnt die Boxweltmeisterschaft in Philadelphia


1926

    • Herma Planck-Szabó (Österreich) wird in Stockholm zum fünften Mal Weltmeisterin im Eiskunstlauf


1927

    • Willy Böckl (Österreich) wird in Davos Weltmeister im Eiskunstlauf
    • Herma Planck-Szábo und Ludwig Wrede (Österreich) werden Weltmeister im Eiskunstlauf der Paare
    • Der Deutsche Max Schmeling wird Europameister im Halbschwergewicht
    • Der amerikanische Sportler Johnny Weissmuller schwimmt mit 10:22,2 min. einen Weltrekord über 800 m Freistil.


1928

    • Tischtennisweltmeister im Herrendoppel werden die Österreicher Liebster und Thum, im Damendoppel Flamm und die Amerikanerin Mednyanszky
    • Die II. Olympischen Winterspiele finden in St. Moritz (Schweiz) statt. Österreich gewinnt 3 Silbermededaillen: Willy Böckl (Eiskunstlauf), Fritzi Burger (Eiskunstlauf), Lilly Scholz und Otto Kaiser (Eiskunstlauf-Paarlauf) und eine Bronzemedaille (Melitta Brunner und Ludwig Wrede im Eiskunst-Paarlauf)
    • Willy Böckl (Österreich) wird in Berlin Weltmeister im Eiskunstlauf
    • Erstes Arlberg-Kandahar-Rennen in St. Anton am Arlberg
    • Auf der Opel-Rennstrecke in Rüsselsheim wird der erste Rennwagen mit Raketenantrieb getestet. Das Auto beschleunigt in acht Sekunden auf 100 km/h
    • In Amsterdam werden die IX. Olympischen Sommerspiele eröffnet. Unter den knapp 3.000 Teilnehmern sind 288 Frauen, die erstmals auch in der Leichtathletik antreten. Der finnische Langstreckenläufer Paavo Nurmi stellt in drei Läufen in Berlin neue Weltrekorde auf: über 15 km, über 10 Meilen und im Einstundenlauf.
    • Österreich gewinnt 1 Goldmedaille in Schwerathletik (Franz Andrysek, Federgewicht), 1 Silbermedaille (Hans Haas, Leichtgewicht) und eine Bronzemedaille (Leo Losert und Viktor Flesch, Rudern: Doppelzweier)
    • Richard Halliburton durchschwimmt als erster Mensch den Panamakanal in seiner gesamten Länge

    • 1929

        • Lilly Scholz und Otto Kaiser (Österreich) werden in Budapest Weltmeister im Eiskunstlauf der Paare

      Quellen:
      Bienert, Christine: „Die Kolonie war halt das tiefste in Mödling. Des is heut nimmer“. Alltag in der Mödlinger Kolonie seit 1873. Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophie aus dem Fachgebiet Volkskunde, eingereicht an der Universität Wien, 2006
      Kleindel: Österreich. Daten. Zahlen. Fakten. Salzburg: Andreas& Müller, 2007
      Portisch, Hugo: Österreich I. Die unterschätzte Republik. Wien: Kremayr und Scheriau, 1989
      LEMO – Lebendiges Museum Online
      Was War Wann. Geschichte von oooo bis gestern