Mödlinger Kulturtage 2017

Alle Jahre wieder finden die Mödlinger Kulturtage statt, die von Kulturstadträtin Dr. Karin Wessely ins Leben gerufen wurden. Dieses Mal geht es um das Thema „Bildende Kunst“. Natürlich sind wir vom KUM-Verein wieder dabei, um Kunst an Menschen zu vermitteln. Unser beliebter Zeitreisekoffer VIDULUS ist mit von der Partie und unterhält kleine Besucher mit dem Bilderrätsel „Ich seh, ich seh was Du nicht siehst“. Große Besucher erkunden beim Adventure Game die Mödlinger Innenstadt und werden Teil einer Kriminalgeschichte. Als begeisterte Geocacher werden wir schließlich Cacher zu einem Kunstprojekt animieren, bei dem sie spannende Cache-Erlebnisse zeichnerisch umsetzen. Neulinge können sich bei uns über dieses spannende Hobby informieren. Alle Infos zu den Mödlinger Kulturtagen findet Ihr auf der von uns gestalteten Homepage: http://kulturtage-moedling.at/

Unsere Programmpunkte im Überblick:
• 09.09.2017 10:30h Interaktives Bilderrätsel – Ich seh, ich seh was Du nicht siehst (Dauer 1h, Untere Bachgasse/Station 4)
• 09.09.2017 11:30h Adventure Game rund um Mödlings Kunst (Dauer 1h, Untere Bachgasse/Station 4)
• 09.09.2017 13:00h Geocaching rund um Mödlings Kunst (Dauer 1h, Untere Bachgasse/Station 4)
• 13.10.2017 15:00h Interaktives Bilderrätsel – Ich seh, ich seh was Du nicht siehst (Dauer 1h, Schrannenplatz ggü. Fielmann)
• 14.10.2017 11:30h Adventure Game rund um Mödlings Kunst (Dauer 1h, Schrannenplatz ggü. Fielmann)
• 14.10.2017 12:30h Geocaching rund um Mödlings Kunst (Dauer 1h, Schrannenplatz ggü. Fielmann)

Die Goldenen Zwanziger (Ausstellung Stadtgalerie Mödling 2017)

INFOS ZUR AUSSTELLUNG
Die Ausstellung „Die Goldenen Zwanziger. Zwischen Notgeld und Charleston“ findet von 11.–31. Mai 2017 in der Stadtgalerie Mödling statt. Die Öffnungszeiten sind MO 10–19h, DI–FR 10–17h und SA 10–13h. Es gibt mehrere Veranstaltungen zum Ausstellungsthema. Unter anderem nimmt die Stadtgalerie am Museumsfrühling Niederösterreich am 20. und 21. Mai 2017 teil und bietet Familienführungen, eine Lesung sowie musikalische Programme. Wir vom KUM-Verein begeben uns mit mutigen Abenteurern am Sonntag 21. Mai wieder mit Vidulus auf Zeitreise und diesmal geht es in die 20er Jahre (für Kinder ab 6 Jahre).
Warum wir uns gerade die 20er Jahre ausgesucht haben, erfahren Sie in diesem Blogbeitrag.

Bei Besuch der Ausstellung finden Sie zu jedem Themengebiet eine Texttafel. Möchten Sie noch mehr Informationen, so können Sie über den dazugehörigen QR ausführliche Texte auf unserer Homepage abrufen. Diese Zusatzinformationen finden Sie auch in einem übersichtlichen Inhaltsverzeichnis gegliedert.

DIE GESTALTER DER AUSSTELLUNG
Mag. Marina Gschmeidler (KUM): Konzept, Ausstellungsdramaturgie, Texte und Inhalte
Viktor Kabelka (kid): Leihgeber, Recherche, photographische Gestaltung
Dr. Christian Matzner (Museum Mödling): Leittexte und Bilder, Layout
Wolfgang Gärber (KUM): Ausstellungstechnik, Aufbereitung und Präsentation (Video und Audio)
Josef Henk (Landesinnungsmeister der Fotografen Niederösterreich): Layout und Druck der Bildtafeln
Doris Pikisch (Stadtgalerie Mödling): Layout und Druck der Texttafeln (Leittexte)

DANKSAGUNG:
Ohne die Hilfe und Mitarbeit von vielen engagierten Mitmenschen, wäre die Ausstellung nie zustande gekommen. Deswegen möchten wir uns herzlich bei allen bedanken, die sich von unserer Begeisterung anstecken ließen und uns Stunden ihrer wertvollen Zeit schenkten!! Die ausführliche Version zur Entstehung der Ausstellung ist in „The Making-Of“ nachzulesen.
„In order of appearance“:
Mag. Manfred Pongratz: Stadtarchiv Mödling
Dr. Nikolaus Wostry und Susanne Rocca (Filmarchiv Austria): Auswahl und Bearbeitung der Filmbeiträge
Dr. Claudia-Maria Behling (KUM): Homepage und QR-Codes
Werner Burg: Interviews zu Gesellschaft und Geschichte Mödlings
Dr. Anatol Eschelmüller: Leihgeber und Berater (Mode und Kosmetik)
Sonja Karner: Make-up Artist, Leihgeberin und Beraterin (Kosmetik und Mode)
Literarische Gesellschaft Mödling: Archiv und Leihgaben
Petra Gesperger, BSc: Layout Chronik

Zur Themenwahl
The Making-Of
Inhaltsverzeichnis

Fotos von der Eröffnung am 10.05.2017 (Fotos: Gabriele Schätzle):

Warum die 20er Jahre?

Um zu verstehen, warum wir so sind, wie wir sind, warum wir ein gutes Leben führen können, aber auch um zu verstehen, warum andere Menschen diese Privilegien nicht haben, ist es unumgänglich, sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzten. „Ein bisschen mehr verstehen“ lernen, ist wahrscheinlich alles, was eine Ausstellung bieten kann. Und doch ist es sehr viel. Denn jeder, der ein „bisschen mehr versteht“ ist ein wenig stärker gegen Einflussnahmen von außen gewappnet und weniger anfällig, Vorurteile zu übernehmen.

Das Trauma, das der letzte Weltkrieg hinterlassen hat, sitzt tief, so tief, dass die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit bis heute nicht leichtfällt. Doch es kommt nicht darauf an, Menschen an den Pranger zu stellen und schuldig zu sprechen, sondern darauf, einen genauen Blick auf die Gesellschaft zu werfen, die diese Menschen hervorgebracht hat. Und die 20er Jahre sind der perfekte Zeitraum dafür. Denn hier werden die Weichen gestellt. Hier kann man sehen, wie sich Menschen an ihrer Hoffnung aufzurichten beginnen und voller Zuversicht imstande sind, ihr Bestes zu geben. Menschen, die vielfach nichts anderes besaßen, als Herz und Verstand und nur mit diesem „Grundkapital“ ausgerüstet trotz der desolaten Umstände, Unglaubliches leisteten. Vielleicht nicht für sich selbst, aber für uns, ihre Enkel, Urenkel, Ururenkel.

Was macht der Krieg aus den Menschen? Wie verändert die Not den Einzelnen? Und was passiert mit einem, wenn letztendlich alle Hoffnungen zerstört sind? Wir hoffen, dass wir mit unserem kleinen Beitrag ein bisschen näher an die Antworten herankommen. Und „ein bisschen mehr verstehen.

The Making-Of
Zur Ausstellung
Inhaltsverzeichnis der Ausstellungstexte

3 Monate in den Zwanzigern: das „Making Of“ einer Ausstellung

Schon länger liebäugelte Doris Pikisch (Stadtgalerie Mödling) mit der Idee, eine Ausstellung über die Zwanziger Jahre zu zeigen.  Als sie mir von diesem Vorhaben erzählte, war ich hellauf begeistert und sagte spontan zu, die Ausstellung „Die Goldenen Zwanziger. Zwischen Charlestin und Notgeld“ in Zusammenarbeit mit dem Verein kid (Kultur im Dorf, Gießhübl) zu konzipieren und vorzubereiten. Die Zeit drängte, wir hatten nämlich nur drei Monate, bis zur für Mai geplanten Eröffnung. Das klingt vielleicht nicht so schlimm, aber in Wahrheit braucht es mindestens 6 bis 12 Monate, um eine Ausstellung dieses Ausmaßes vorzubereiten. Dennoch nahmen wir mit Freude die Herausforderung an: Von nun an verging kein Tag, an dem wir uns nicht für mindestens fünf bis 10 Stunden in die 20er Jahre „begaben“.

Viktor Kabelka (Verein kid) recherchierte Tag und Nacht in den Unweiten des Internet und durchstöberte sein Archiv nach interessantem Material – und mit „Archiv“ ist hier kein Kammerl mit 12 übereinandergestapelten Bananenkartons gemeint. Im Zuge dieser Vorbereitungen stieß er dann auch auf filmhistorisch unglaublich interessante Zeugnisse. So etwas lässt das Herz einer Filmwissenschafterin wie mir, Marina Gschmeidler, natürlich höherschlagen, zumal ich bereits während meines Studiums die Liebe zum Stummfilm entdeckt habe und die Gelegenheit hatte, mich im Filmarchiv Austria während eines Praktikums mit der Materie vertraut zu machen. Nun setzten wir uns umgehend mit dem Filmarchiv Austria in Verbindung. Ich bin sehr froh, dass hier eine Kooperation zustande kam. Eine Ausstellung über die Zwanziger zu machen, ohne Filme aus dieser Zeit zeigen zu können, wäre nur eine „halbe Sache“ gewesen, wenn man bedenkt, wie wichtig das Medium Film damals wurde.

Während Viktor im Internet umherstreifte, wühlte ich mich durch einen Berg Bücher und begab mich in das Stadtarchiv Mödling, das uns auch bereitwillig unterstützte. Doch schriftliche Quellen sind nicht alles. Die wirklich wichtigen Dinge im Leben lernt man von den Menschen, die man trifft. Es geht also nichts über das persönliche Gespräch. Dafür stand mir Altbürgermeister und waschechter Mödlinger Werner Burg in zahlreichen Gesprächen zur Verfügung. Es gibt Menschen, die einfach nur über ihre Kindheits- und Jugenderinnerungen erzählen und es gibt solche, die jede ihrer Erinnerungen noch einmal reflektieren und hinterfragen, die niemals aufhören, sich Gedanken zu machen und die sich nicht einfach mit scheinbaren Gegebenheiten abfinden. Ich bin froh, von solchen Menschen lernen zu können!

v.l.n.r: Dr. Nikolaus Wostry (Filmarchiv Austria), Mag. Marina Gschmeidler (KUM), Viktor Kabelka (kid)

DIE GESTALTER DER AUSSTELLUNG
Mag. Marina Gschmeidler (KUM): Konzept, Ausstellungsdramaturgie, Texte und Inhalte
Viktor Kabelka (kid): Leihgeber, Recherche, photographische Gestaltung
Dr. Christian Matzner (Museum Mödling): Leittexte und Bilder, Layout

The Making-Of
Hintergrundinfos zur Themenwahl
Inhaltsverzeichnis der Ausstellungstexte

Liane Haid 1895–2000

Liane Haid wurde im Jahr als Tochter eines Musikalienhändlers in Wien Alsergrund geboren. Sie machte eine Ausbildung als Tänzerin und stand schon als Kind auf der Bühne der Hofoper. Als die erste Wiener Filmgesellschaft, die Wiener Kunstfilm, gegründet wurde, wirkte Haid, die großes Interesse für dieses neue Medium hatte, von Beginn mit und spielte von 1915–1918 bereits in 18 Filmen.
1923 heiratete sie den Baron Fritz von Haymerle, der ihr eine eigene Filmfirma, die Micco-Film schenkte.
Ihren großen Durchbruch hatte Liane Haid als Protagonistin und Partnerin von Conrad Veidt in Richard Oswalds Historienfilm Lady Hamilton im Jahr 1921. 1922 spielte sie mit Veidt sowie Albert Bassermann und Adele Sandrock in Lucrezia Borgia. Es folgten Liebesfeuer (1925) und Die Brüder Schellenberg (1926) sowie Die Csardasfürstin (1927).

Den Übergang von Stumm- auf Tonfilm konnte Liane Haid bravourös meistern und wirkte in über 30 Tonfilmen mit. Im Jahr 1930 machte sie Robert Stolzs Lied Adieu, mein kleiner Gardeoffizier an der Seite von Willi Forst in Das Lied ist aus zum unvergessenen Schlager. Liane Haid und Willi Forst wurden zu einem der beliebtesten Filmpaare.
In den 30er Jahren drehte sie noch einige Filme in Österreich (Ungeküßt soll man nicht schlafen gehen, 1936 und Peter im Schnee, 1937) und England (Whom The Gods Love, 1936). In den 1940ern flüchtete sie mit ihrem Sohn in die Schweiz und heiratete dort den Schweizer Arzt Carl Spycher, den sie jahrelang auf seine Reise in die Tropen begleitete. Ein Comeback in den 50er Jahren scheiterte. 1992 erhielt sie den Deutschen Filmpreis und den Wiener Rosenhügelpreis. Liane Haid verstarb mit 105 Jahren in der Schweiz. Sie verkörperte den Typus des natürlichen, feschen und unkomplizierten Wiener Mädels.

Quellen:
Film Zeit, Liane Haid
Wien Geschichte Wiki, Liane Haid
Wikipedia, Liane Haid

Journalismus und Gesellschaftskritik

Hugo Bettauer und Die Stadt ohne Juden
Im Oktober 2015 machte ein Filmsammler auf einem Pariser Flohmarkt eine sensationelle Entdeckung: er fand die vollständige Kopie eines Filmes, der bis dato als verschollen gegolten hatte – Eines Filmes, dessen Buchautor und Regisseur nur einige Monate nach der Uraufführung im Jahr 1924 von einem Nationalsozialisten erschossen worden war. Der Autor hieß Hugo Bettauer, der Film Die Stadt ohne Juden.

Hugo Bettauer – ein Opfer des Populismus
Hugo Bettauer war Romanschriftsteller, Feuilletonist und Zeitschriftenherausgeber. 1872 als Sohn jüdischer Eltern in Baden bei Wien geboren, besuchte er in Wien das Gymnasium, wo Karl Kraus sein Klassenkamerad war. Mit achtzehn trat er aus der jüdischen Gemeinde aus und konvertierte zum Protestantismus. Nach dem Tod der Mutter ging er nach Amerika, dann als Zeitungsredakteur nach Berlin und Hamburg und wieder zurück in die USA, wo er als Journalist tätig war. Bettauer schrieb für das New Yorker Morgen-Journal Gegenwartsromane, deren Handlung im Milieu der deutschen und österreichischen Emigranten angesiedelt war.  1908 kehrte er als amerikanischer Staatsbürger nach Österreich zurück und nahm ihn Wien seine journalistische Tätigkeit auf. Wegen seiner Vorliebe, Skandale aufzudecken, war Bettauer immer wieder Zielscheibe harter Kritik.

1920 erschien seine erste Buchveröffentlichung mit dem Titel Faustrecht, es folgte eine Reihe von Wiener Kriminal- und Sittenromanen, die die Lebenswirklichkeit der jungen Republik spiegelten und den Autor zu einem der beliebtesten und erfolgreichsten Schriftsteller seiner Zeit machten. Das Wien der Gegenwart war Bettauers Thema, er beschrieb auf vortreffliche und sarkastische Weise Neureiche und Kriegsgewinnler, Parvenus und gestrandete Existenzen. Bettauer zeichnete ein messerscharfes Gesellschaftsbild der Zeit, er galt als der „Autor des kleinen Mannes“. Seine Romane erschienen als Fortsetzungen in seinen Zeitschriften. Er schrieb sie ähnlich einer Kolumne meist von einen Tag auf den nächsten und wusste oft erst während des Schreibens, wie sich die Handlung entwickeln sollte. Das zeugt von einem unheimlich regen Geist und einem treffsicheren Gespür für jede Aktualität. Selbst, wenn Schriftsteller und Kritiker die Nase über ihn rümpfen, Bettauer hatte eine vortreffliche Beobachtungsgabe und war äußerst sprachgewandt. Die Sujets seiner Romane schrien geradezu nach einer Verfilmung. So wandten sich Regisseure an ihn, der berühmteste war wohl Georg Wilhelm Pabst, der Bettauers Roman Die freudlose Gasse 1925 verfilmte. Die Handlung spielt in Wien, auch die Dreharbeiten fanden in Wien statt, in den Hauptrollen Asta Nielsen und Werner Krauss.
Zuvor waren aber schon einige andere Bettauer Romane verfilmt worden, auch der Roman Die Stadt ohne Juden, der 1922 erschienen war.

Die Stadt ohne Juden. Ein Gedankenexperiment als Versuch der Vermittlung
Die Handlung von Die Stadt ohne Juden. Der Roman von übermorgen (1922)  ist schnell erzählt: Österreich steht vor dem wirtschaftlichen Ruin. Die Schuld daran wird den Juden zugeschrieben. Also beschließt das Parlament, die Ausweisung aller Juden. Doch das verschlechtert die Situation Österreichs noch viel mehr, weswegen man die Juden wieder zur Rückkehr überredet.

Die Pro- und Kontra-Redner meldeten sich zu Wort. Die Sozialdemokraten sprachen gegen das Gesetz. Als aber ihr Führer Weitherz in ruhigen und sachlichen Worten seiner Entrüstung Ausdruck gab und den Gesetzentwurf als ein Dokument menschlicher Schmach bezeichnete, entstand ein furchtbarer Tumult, die Galerie warf mit Schlüsseln und Papierknäueln nach den Sozialdemokraten, es kam zu einer Prügelei, und die kleine Opposition verließ unter Protest den Saal. Der christlichsoziale Abgeordnete Pfarrer Zweibacher pries Dr. Schwertfeger als modernen Apostel, der würdig sei, dereinst heilig gesprochen zu werden, die großdeutschen Abgeordneten Wondratschek und Jiratschek aber beleuchteten das Gesetz lediglich vom Rassenstandpunkt, und Jiratschek, der stark mit böhmischen Akzent sprach, schluchzte vor Ergriffenheit und schloß mit den Worten:
»Wotan weilt unter uns!«
(Hugo Bettauer. Die Stadt ohne Juden. Ein Roman von übermorgen)

Für den Leser von heute mit dem Wissen um Holocaust und Deportationen ist die Herangehensweise an den Roman sowie dessen Verfilmung schwierig. Was Bettauer als satirisch überzeichnete Utopie gezeichnet hat, offenbart sich für den Leser der Gegenwart wie eine unheimliche Prophezeiung,die viele Details dessen, was in den 30er Jahren wirklich geschehen sollte, vorwegnahm. Es ist nur bedingt möglich, sich in diesem konkreten Fall auf den humoristisch-satirischen Charakter einzulassen, der Bettauers Schriften prägt.
In einer Zeitungsglosse beschrieb Bettauer im Juli 1922 die Inspiration, die ihn auf dieses Thema brachte:

Als ich einmal einen jener Orte aufsuchte, an denen man sich nicht länger aufzuhalten pflegt, als unbedingt notwendig ist, sah ich nebst anderen erbaulichen Inschriften auf den Wänden auch mehrfach die kategorische Aufforderung prangen „Hinaus mit den Juden!“ Dieser Sehnsuchtsschrei eines sicher sonst ganz braven Mannes, den man ja auch in den Plakaten unter dem lieblichen Hakenkreuz findet (und) auf der Elektrischen oft genug hört (…), regte meine Phantasie zu spielerischen Gedanken darüber an, wie dieses Wien sich wohl entwickeln würde, wenn die Juden tatsächlich einmal der höflichen Aufforderung folgten und die Stadt verließen.

Für die Verfilmung im Jahr 1924 durch den jungen Wiener Regisseur Karl Breslauer musste das Buch „politisch entschärft“ werden, um die innenpolitischen Konflikte nicht noch mehr aufzuheizen. So wurde es umfassend umgearbeitet. In wichtigen Rollen waren Johannes Riemann, Eugen Neufeld und Hans Moser zu sehen. Schon die Dreharbeiten erregten großes Interesse, die sich in der umfangreichen Berichterstattung in der Wiener Presse äußerte.  Im Juli kam es zu Uraufführung. Die Kinosäle waren überfüllt, größere Skandale blieben aus. Dennoch gab es lebhafte Proteste und Störaktionen von jungen Nationalsozialisten, die Stinkbomben in die Kinosäle warfen.

Mit Bissigkeit schilderte Bettauer die judenfeindliche Gesinnung seiner Zeit. Antisemitismus war zu einer Alltagserscheinung geworden, vielfach gar nicht hinterfragt und unreflektiert und wurde als „naturgegebene Zeiterscheinung“ hingenommen. Antisemitismus hatte schließlich in den 20er Jahren eine bereits über 100 Jahre alte, traurige „Tradition“. Von Politikern und politischen Aktivisten wurde ausgenutzt, ja der Judenhass durch aggressive Reden noch geschürt. Mit seinem Roman wollte Bettauer zwischen den verschiedenen Gesinnungen vermitteln, was ihm leider misslang. Alle fühlten sich indigniert. Es war und blieb das einzige Mal, dass sich Bettauer auf kritische Weise mit dem Antisemitismus auseinandersetzte.

Der Bettauer-Skandal und seine Folgen
Im Februar 1924 brachte Bettauer ein Wochenblatt heraus: Er & Sie. Wochenschrift für Lebenskultur und Erotik. Er setzte sich für Scheidungsrecht, Schwangerschaftsabbruch und Straffreiheit für Homosexualität ein und nahm auf sehr aufgeklärte Weise zu gesellschaftlich brisanten Fragen der Zeit Stellung, wie Mieterschutz, Erotik außerhalb der Ehe und die Gleichberechtigung der Frau. Die Zeitschrift war keineswegs ein „Schmutzblatt“, sondern sah sich vielmehr als ein Medium der Aufklärung, in dem sogar Fachärzte Fragen beantworteten. Bettauer verwehrte sich gegen jede Scheinmoral und Unterdrückung. Nach der fünften Ausgabe der Zeitschrift wurde er angeklagt: „Vergehen gegen die öffentliche Sittlichkeit“ und „Vergehen gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung“ waren die Vorwürfe. Wegen der Kontaktanzeigen, die Bettauer in seiner Zeitschrift unter der Rubrik „Menschen, die einander suchen“ drucken lässt, wurde ihm auch noch „gewerbsmäßige Kuppelei“ vorgeworfen. Hier zwei Beispiele für Kontaktanzeige in Bettauers Wochenblatt:
Junger Beamter möchte wohlhabende Dame kennen lernen! Unter „Stierkämpfer“ 1048 an die Exped

Mein frohsinniger Lebensmut ist zuviel für mich allein. Laßt ihn mich mit einem lieben herz- und leibgesunden Mädel teilen. Schreibt unter „Bucephalos 1098! An die Exped.

In der Folge fand eine regelrechte Hetze gegen Bettauer statt, Lynchjustiz wird gefordert. Beschimpfungen wie „Schlammwühler“, „perverses Kloakentier“, „geiles Untier“, „Schweinehund“, „Industrieritter der Erotik“ oder „gewerbsmäßiger Pornograph“ werden immer häufiger. Er wird zum Feindbild für Frauen- und Elternvereine, Antisemiten, Nationalsozialisten und Christlich-Soziale. Bettauer wird das Image des perversen Sittenverderbers verpasst. Inzwischen gab er ein neues Wochenblatt heraus: Bettauers Wochenschrift. Probleme des Lebens. Beim Prozess im September wird Bettauer von allen Anklagepunkten freigesprochen.
Bettauers Beliebtheit bei seinen treuen Lesern geht auch darauf zurück, dass man ihn als Seelentröster sah. Er leistete eigentlich Sozialarbeit, indem zweimal die Woche Sprechstunden, eine Art „Seelenordination“, in seiner Redaktion abhielt.
Auch am 10. März 1925 war jemand für ein Gespräch in seinem „Sprechzimmer“ angemeldet: der 21jährige Zahntechniker Otto Rothstock. Mit einem fingierten Brief verschaffte sich Rothstock Zutritt zu Bettauers Büro, während dieser den Brief entgegennahm und den jungen Mann aufforderte, ihm zu folgen, sperrte jener heimlich die Tür zu. Und während Bettauer den Brief las, zog Rothstock eine Pistole, rief „Passen Sie auf, Herr Doktor!“ und schoss fünf Mal auf ihn. Mehr Schüsse hatte er nicht. Bettauer konnte noch aus dem Raum fliehen, brach aber sogleich blutüberströmt zusammen. Während er um sein Leben kämpfte, schloss sich Rothstock in Bettauers Büro ein und zerriss alles, was ihm in die Finger kam. Er verharrte dort, bis er von der Polizei abgeholt wurde. Hugo Bettauer wurde schwerverletzt, aber noch lebend in das AKH gebracht. Erst 16 Tage später erlag er seinen Verletzungen. Rothstock wurde wegen Mordes angeklagt, bei der Verhandlung gab er als Tatmotiv an, dass er seine Altersgenossen von sittenverderbenden Typen wie Bettauer schützen wollte. Ein prominenter Nationalsozialist übernahm kostenlos seine Verteidigung. Obwohl Rothstock einstimmig des Mordes und des illegalen Waffebesitzes für schuldig erklärt wurde, zweifelten die Geschworenen an seiner Zurechnungsfähigkeit und wurde freigesprochen. Er wurde in eine Nervenheilanstalt eingewiesen und 1927 wieder als freier Mann entlassen. Bettauers Wochenschrift wurde eingestellt.
So hat die immer aggressiver werdende Rhetorik kompromissloser Politiker, die letztendlich ihren Beitrag zum Ende der ersten Republik leisten sollte, wieder einmal ein Todesopfer gefordert: einen Mann, der von vielen intelligenten und kritischen Zeitgenossen hoch geschätzt wurde, wie folgender Entwurf zu Bettauers Nachruf von Robert Musil bezeugen kann:

Wir betrauern in dem Dahingeschiedenen einen Mann von vorzüglichen Gaben des Herzens.(…) Impulsiv, empfänglich, hatte er die Gabe, das auszusprechen, was tausende fühlten…es leitete ihn die ehrliche Überzeugung, zu bessern. Und er fiel für die vornehmste Aufgabe seines Berufs: das auszusprechen, was man für richtig hält.

Quellen:
Hugo Bettauer. Die Stadt ohne Juden. Ein Roman von übermorgen (verfügbar auf Spiegel online)
Murray Hall: Hugo Bettauer. In: Elektrische Schatten. Beiträge zur Österreichischen Stummfilmgeschichte. Wien: Filmarchiv Austria, 1999

Der österreichische Film

Anfang der Zwanziger-Jahre gab es in Wien um die 20 Filmproduktionsfirmen. Diese erzeugten pro Jahr ca. 80 Filme, im Schnitt war das alle fünf Tage ein Film! Hinzu kamen noch jährlich an die 100 Kurzfilme.
Die Filmfabriken trugen Namen wie Fiat-Film, Eos-Film, Emge-Film, Sascha-Film, Schönbrunn-Film, Listo-Film, Mondial-Film, Pan-Film, oder Vitafilm. Zu den wichtigsten zählten die Dreamland Film Company, die Micco-Film und die Astoria-Film. Fast jede Woche stellten die Produktionsfirmen einen neuen Film vor.
Trotz des schnellen und lebhaften Aufschwungs der Filmwirtschaft, befand sie sich nach nur drei Jahren in der Krise. Während 1922 jährlich durchschnittlich 70 abendfüllende Filme erschienen, waren es 1923 nur noch 35. Nach dem Börsenkrach 1924 reduzierte sich die Zahl auf 16 und 1925 wurden überhaupt nur noch 5 Filme pro Jahr produziert.
Die Gründe für den schnellen Verfall waren vielfältig: viele Firmen waren aufgrund von Spekulationen gegründet worden, das Kapital war auf viele Einzelunternehmen zersplittert, die Sparte konnte der Verflachung der Konjunktur nicht entgegenwirken. Außerdem war es in Österreich fast unmöglich, die Herstellungskosten für einen Film wieder hereinzuwirtschaften, weil das auf 6 Millionen Einwohner geschrumpfte Land einfach zu klein war. 90% der Produktionskosten hätten durch Ausfuhr in andere Länder gedeckt werden müssen, was in einer Zeit, wo der US- Film durch wesentlich preiswertere Produktionen die europäischen auf dem Markt verdrängte, ein Ding der Unmöglichkeit war.
Auch die Inflation spielte eine Rolle: beliefen sich die Herstellungskosten für einen Film 1922 auf 80 Millionen Kronen, so waren 1924 schon 50 Milliarden erforderlich. Die schwache Krone jedoch begünstigte gegenüber den harten Valuten den Filmverkauf ins Ausland, die Einführung des Schillings bedeutete wiederum eine Erschwernis für die Filmwirtschaft.

Während also manch kleine Filmfabrik genauso schnell wieder verschwand, wie sie entstanden war, konnten zwei große Produktionsfirmen aus der Vorkriegszeit ihre Vormachtstellung im Filmgeschäft ausbauen und bewahren: Die Sascha-Film und die Vita-Film. Diese hatten auch firmeneigene Kinos, in denen die Filmpremieren gefeiert wurden. Zu diesem Anlass wurden die Kinos im Dekorationsstil der jeweiligen Filme geschmückt.
Die größte Filmproduktionsgesellschaft der Stummfilmzeit war die von Sascha Kolowrat gegründete Sascha-Filmindustrie AG, die seit 1912 als Sascha-Filmfabrik ihren Sitz in Wien hatte.  1918 fusionierte sie mit dem Filmverleiher Philip & Pressburger und nannte sich seither Sascha-Filmindustrie AG.

FILMPIONIERE

Sascha Kolowrat
1927 besetzte Kolowrat die Hauptrollen in Café Elektrik mit den vielversprechenden Jungschauspielern Willi Forst und Marlene Dietrich. Beide sollten zu großen Filmstars werden. Einmal mehr zeigte sich Sascha Kolowrats untrügerisches Gespür für junge Talente.
Kolowrat hinterließ ca. 150 Kurz- und Langspielfilme, Hunderte von Naturaufnahmen, IndustriefilmeN und Aktualitäten.
Für Sascha-Film arbeiteten Künstler wie Fern Andra, Raoul Aslan, Armin Berg, Maria Corda, Lily Damita, Marlene Dietrich, Lucy Doraine, Heinrich Eisenbach, Alphons Fryland, Fritz Kortner, Willi Forst, Karl Farkas, Alexander Girardi, Mary Kid, Ernst und Hubert Marischka, Joe May, Hans Moser, Nita Naldi,  Anny Ondra, Ossi Oswalda, Paul Richter, Magda Sonja, Igo Sym, Otto Treßler, Michael Varkonyi, Richard Waldemar und Gisela Werbezirk. Auch Schlüsselfiguren der österreichischen Filmgeschichte, darunter Artur Berger, Karl von Borsody, Fritz Freissler, Karl Hartl, Karl Freund, Michael Kertész, Alexander Korda, Walter Reisch, Hans Theyer, Gustav Ucicky und Conrad und Robert Wiene waren an seinen Produktionen beteiligt.
Erst nach dem Tod Kolowrats 1927 und dem Aufkommen des Tonfilms war die Erfolgsgeschichte der Sascha-Film zu Ende.

Sodom und Gomorrha- der erste österreichische Monumentalfilm
Der erste Film, der von Sascha-Film in den Studios am Laaer Berg gedreht wurde, war der Monumentalfilm Sodom und Gomorrha. 3000 Statisten wurden engagiert, viele Arbeitslose konnten sich vorübergehend über einen „Job“ freuen. Die Regie übernahm Regisseur Michael Kertész. Chefkameramann war Gustav Ucicky, der uneheliche Sohn Gustav Klimts. In den Hauptrollen spielten Lucy Doraine (Kertész´ Frau) und Walter Slezak, der sein Schauspieldebut gab. Unter den Komparsen befanden sich Schauspieler, die noch unbekannt waren, aber eine große Schauspielkarriere vor sich hatten: Paula Wessely, Willy Forst und Hans Thimig.
Da in Sodom und Gomorrha riesige heidnische Tempel und Statuen zum Einsturz gebracht werden sollten, wurde ein berühmter Filmarchitekt und Szenenbildner aus Berlin engagiert: Julius von Borsody. Er setzte eine spezielle Sprengtechnik ein. Auch für den Feuerregen, sowie Schwefel- und Ascheregen durch den die Komparsen „um ihr Leben laufen“ mussten, war er verantwortlich. Leider kam es während der Dreharbeiten bei den Sprengungen aber tatsächlich zu lebensgefährlichen Situationen: Bei dem „Untergang von Sodom und Gomorrha“, als die Kulissenstadt weggesprengt werden sollte, wurden einige Statisten schwerverletzt, einige kamen sogar zu Tode.
Sodom und Gomorrha wurde zum Welterfolg, sogar in den USA war der Film ein Kassenschlager!

Österreichs FilmpionierInnen Anton und Luise Kolm und Jakob Fleck
Die FilmemacherInnen Anton Kolm, Jakob Fleck und Luise Veltée/Kolm/Fleck waren die wahren Pioniere des österreichischen Films. Unter mühsamen Bedingungen, in der Zeit des Ersten Weltkrieges wurde von den FilmpionInnen Kolm, Fleck und Velté die ersten österreichischen Filme produziert. Während z. B in Frankreich, den USA, Italien, England, Spanien und Schweden die Filmproduktionen schon Ende des 19. Jahrhunderts einsetzten, geschah dies in Österreich erst 1906. Besonders schwierig war es sich gegen das Monopol der französischen Filmproduzenten in Wien durchzusetzen. Ab 1912 hieß die Kolm’sche Produktionsfirma Wiener Kunstfilm-Gesellschaft. Mit Anlehnung an den französischen Kunstfilm sollten österreichische Spielfilme mit Niveau produziert werden. Während Anton sich als Direktor den geschäftlichen Aufgaben widmete, führte Jakob Fleck gemeinsam mit Louise Kolm die Regiearbeit. Er war auch Kameramann und somit der künstlerisch-technische Leiter. Nach dem Tod Anton Kolms, der an Krebs erkrankt war, heiratete Louise Kolm Anton Fleck.

Vita-Film
Die Vita-Film wurde 1919 von Anton und Luise Kolm gegründet und war die Nachfolgefirma der Wiener Kunstfilm-Industrie.
1923 errichtete die Vita Film die Rosenhügel-Filmstudios. Dort wurde 1922 der Monumentalfilm Samson und Delila produziert, die Kosten beliefen sich auf 12 Millionen Kronen. Im Gegensatz zur Sascha-Film, die das US-Kino zum Vorbild hatte, orientierte sich die Vita-Film an französischen und belgischen Vorbildern. So wurden auch Filme mit französischen Regisseuren produziert:

1923 Die sterbende Sonne, Regie: Germaine Dulac
Das Haus im Walde, Regie: Jean Legrand
Horoga, Regie: Severin Mars
Die Insel ohne Liebe, Regie: M. Liabel
Clown aus Liebe, Regie: Edouard-Emile Violet

1924 wurde Das Bildnis gedreht. Der belgische Regisseur Jacques Feyder, war einer der frühen Realisten. Das Drehbuch stammte von dem bekannten Schriftsteller Jules Romains. Dieser Film war die letzte Produktion der Vita-Film. Die Vita-Film ging pleite, wie die meisten anderen Filmproduktionsgesellschaften aufgrund der Konkurrenz preisgünstiger, aber hochwertiger US-Produktionen, die den Markt bereites überschwemmt hatten.

Die Rosenhügel-Studios der Vita-Film

Zeichnung der Vita-Film-Ateliers (Foto: via Wikimedia Commons)

Zwischen 1919 und 1923 entstand am Rosenhügel im Süden Wiens die damals größten und modernsten Filmstudios Österreichs. Schon vor der Entstehung der Studios wurden hier 1922 Dreharbeiten zu dem Monumentalfilm Samson und Delila durchgeführt, ein Film dessen Produktion 12 Millionen Kronen verschlang.
Die Fläche der Rosenhügelstudios betrug 25.000 Quadratmeter. Das größte Atelier war 90 Meter lang, 40 Meter breit und 70 Meter hoch und verfügte über ein Wasserbecken.  Für Außenaufnahmen stand ein 8000 Quadratmeter großes Podium bereit mit einer drehbaren Bühne mit 25 Metern Durchmesser. Dieses war notwendig, um das Set nach der Sonne auszurichten.

Filme, die in den 20ern am Rosenhügel produziert wurden, waren:
1921 Der tote Hochzeitsgast, Regie: Max Neufeld
1922 Samson und Delila, Regie: Alexander Korda
1923 Hoffmanns Erzählungen, Regie: Max Neufeld
1924 Hotel Potemkin, Regie: Max Neufeld
1925 Das Bildnis, Regie: Jacques Feyder, letzte Vita-Film-Produktion am Rosenhügel

Nachdem die Vita-Film 1924 in Konkurs gegangen war, standen die Studios bis 1933 leer.

SODOM UND GOMORRHA  (Österreich: 1922)
Untertitel: Die Legende von Sünde und Strafe
Teil 1: Die Sünde, Teil 2: Die Strafe
Produktion: Sascha-Filmindustrie AG, Wien
Produzent: Alexander Kolowrat
Verleih (Österreich): Vereinigte österreichische Filmleihanstalten G.m.b.H.
Regie: Michael Kertész
Drehbuch: Michael Kertész, Ladislaus Vajda
Kamera: Gustav Ucicky
Musik: Giuseppe Becce
Bauten: Julius v. Borsody (Chefarchitekt), Hans Rouc, Stephan Wessely
Besetzung:
Lucy Doraine (Miss Mary Conway, Sarah – das Weib des Lot, Lia – die Königin von Syrien)
Walter Slezak (Mr. Eduard Harber, Sohn von Jackson Harber, Student am Cambridge Lyzeum, ein Goldschmied von Galiläa), Filmdebüt
Erika Wagner (Mrs. Agatha Conway, Mutter von Mary)
Kurt Ehrle (Harry Lighton – Bildhauer, Lot)
Paul Askonas, Julius Szöreghy, Franz Herterich und mehr als 3000 Komparsen (unter ihnen Willi Forst, Paula Wessely, Hans Thimig, Béla Balázs)
Drehort: Wien (Sascha-Filmstadt am Laaerberg, Innenstadt, Schönbrunn, Hermesvilla), Laxenburg bei Wien, Steiermark (Erzberg)
Herstellungsjahr: 1921/22
Uraufführung: 13. Oktober 1922 (Teil 1: Die Sünde). 20. Oktober 1922 (Teil 2: Die Strafe), Wien

Der zweiteilige Film wurde in einen einteiligen umgearbeitet und ist am 11. Mai 1923 herausgekommen.
Zensur: Schulverbot

Die Dreharbeiten zu diesem Monumentalfilm dauerten ein Jahr. Der „Tempel der Astarte“ war einer der größten Filmbauten aller Zeiten.

Handlungsebene 1: Die schöne junge Mary Conway soll den reichen und skrupellosen, wesentlich älteren Börsenmagnaten Harber heiraten und ihren Geliebten, den Bildhauer Harry verlassen. Ihre geld- und luxusgierige Mutter rät ihr dazu. Als Mary dies Harry ohne Umschweife mitteilt, versucht dieser, sich umzubringen. Mary’s Reaktion darauf sind wilde Flirtanfälle mit dem eben aus dem Internat zurückgekehrten Eduard, dem Sohn Harbers. Dessen Erzieher, ein Priester, möchte den jungen Mann vor der liederlichen Mary beschützen und beginnt, eine Gleichnis zu erzählen:
Handlungsebene 2: (spielt im alten Orient): Die Königin von Syrien (Mary) knechtet ihre Untertanen. Ein junger Goldschmied (Eduard) verehrt sie und verteidigt sie sogar, als sie einen Aufstand seiner Klasse brutal niederschlägt. Daraufhin verurteilt sie den jungen Goldschmied aus einer Laune heraus zum Tode.
Handlungsebene 1: Mary lernt nichts aus dem Gleichnis. Sie verabredet sich für den Abend sowohl mit Eduard, als auch mit seinem Vater im Gartenpavillon. Mary, die als erste dort eintrifft, legt sich auf einen Diwan, schläft ein und beginnt zu träumen.
Sie träumt, dass Eduard und Mr. Harber im Pavillon aufeinandertreffen und eine Rauferei beginnen, bei der der Vater zu Tode kommt. Daraufhin wird Mary wegen Anstiftung zum Mord eingesperrt. Im Gefängnis sitzend und auf ihre Hinrichtung wartend erscheint der Priester bei ihr und erzählt wieder ein Gleichnis.
Handlungsebene 3:  Sarah (Mary), die Frau des Lot (Harry) verehrt die heidnische Göttin Astarte (Gigantische Kultzeremonien werden inszeniert). Da steigt der Engel des Herrn (Priester) herab und möchte, dass diesem Treiben Einhalt geboten wird, doch niemand hört auf ihn. Daraufhin schickt er Feuer und Schwefel, um das Böse zu vernichten, Sodom wird zerstört. Der gläubige Lot bittet um Gnade für seine Frau und so werden die beiden verschont. Allerdings ist ihre Rettung an eine Bedingung geknüpft: auf dem Weg aus der Stadt darf sich Sarah nicht umdrehen. Sie tut es dennoch und erstarrt zu einer Salzfigur. Auch Mary ist verloren und wird zur Hinrichtung geführt.
Handlungsebene 1: Nun wacht Mary im Pavillon wieder auf. Sie hat sich durch den Traum gewandelt und erkennt nun, wie selbstsüchtig und gemein sie war. Unverzüglich fährt sie zu Harry ins Krankenhaus, um ihm Lebensmut zu geben.

Der Erfolg von Sodom und Gomorrha ist weniger auf die Handlung zurückzuführen, als vielmehr auf die opulente Inszenierung der Gleichnis-Szenen.

Quellen:
Markus Nepf: Die ersten Filmpioniere in Österreich. Die Aufbauarbeit von Anton Kolm, Louise Veltée/Kolm/Fleck und Jakob Fleck bis zu Beginn des Ersten Weltkriegs. In: Elektrische Schatten. Beiträge zur Österreichischen Stummfilmgeschichte. Wien: Filmarchiv Austria, 1999
Günter Krenn: Der bewegte Mensch-Sascha Kolowrat. In: Elektrische Schatten. Beiträge zur Österreichischen Stummfilmgeschichte. Wien: Filmarchiv Austria, 1999
Elisabeth Büttner-Christian Dewald: Michael Kertész. Filmarbeit in Österreich bzw. bei der Sascha- Filmindustrie A.-G., Wien, 1919-1926.In: Elektrische Schatten. Beiträge zur Österreichischen Stummfilmgeschichte. Wien: Filmarchiv Austria, 1999

Radio Wien

Die Radiosendung am 1. Oktober wurde vom Sprecher folgendermaßen eingeleitet: „Hallo, hallo, hier Radio Wien. Mit dem heutigen Tag beginnen wir den Broadcasting Dienst .“

Die ersten Worte, die sich über den Äther verbreiteten stammten natürlich von Politikern: Bundeskanzler Ignaz Seipel sandte eine Botschaft an den Völkerbund, der Wiener Bürgermeister Karl Seitz ließ Lord Mayor in London schön grüßen. Es folgten Ansprachen von dem Handelsminister, dem Generaldirektor für das Post- und Telegraphenwesen und dem Außenminister, zum Abschluss sprach der erste Präsident der RAVAG.

Und dann endlich: Musik! Staatsopernsängerin Rosette Anday trug einige Arien vor, der Geigenvirtuose Váša Příhoda spielte Franz Schuberts „Ave Maria“ und Burgtheaterschauspieler Georg Reimers trug die Gedichte „Glück“ und „Das Veilchen“ vor.
Um 21 Uhr verabschiedete sich der Sprecher mit den Worten „Die Sendestation Wien macht für heute Schluß. Auf Wiederhören morgen um acht Uhr abends“.

Was die Ravag 1924 sendete:
11.000 Empfänger hatten Empfangslizenzen.
Die Sendezeit betrug pro Monat 113 Stunden.
Folgendes stand auf dem Programm:
52 Stunden leichte Musik
36 Stunden ernste Musik
6 Stunden Oper
2 Stunden Märchen
17 Stunden Verlautbarungen und Sonstiges

Quellen:
Kleindel: Österreich. Daten. Zahlen. Fakten. Salzburg: Andreas& Müller, 2007
Hugo Portisch: Österreich I

Al Capone: Vorbild für ein neues Filmgenre

Amerikas Vorliebe für Gangster begründete ein neues Genre: den Gangsterfilm. Das förderte die mythische Verehrung eines Gangsters als Antihelden. Eines Helden, der sich wie Al Capone kleidete: in zweireihigen Anzüge, mit großen Filzhüten, glänzenden Schuhen und auffallendem Schmuck. Das war bedenklich: Die Regierung sah sich veranlasst, Richtlinien im Hinblick auf die moralisch akzeptable Darstellung von Kriminalität herauszugeben. So entstand 1930 der sogenannte Hays Code. Nicht der Gangster durfte der Held oder Antiheld sein, sondern der „G-Man“ der FBI-Agent, der ihn zur Strecke brachte.

Aufstieg und Fall eines Mafiabosses mit Hilfe der Medien
Er war besonders begabt im Umgang mit den Medien und nutze sie als Image- und Werbeplattform. Al Capone verdiente Millionen mit illegalen Geschäften und baute sich ein Image als moderner Robin Hood auf. Er spendete Geld für wohltätige Zwecke und half Menschen in Not. Er öffnete Suppenküchen für die hungrigen Armen und kümmerte sich um die Arbeiter. Auf seinem Höhepunkt verdiente Capone 100 Millionen Dollar pro Jahr. Mitte der 20er kontrollierte er Chicago und wurde zur lebenden Legende. Al Capone trug maßgeschneiderte, zweireihige Anzüge in irrwitzigen Farben, er wollte auffallen. Sein Fedora, ein weißer Filzhut fiel besonders auf in der Öffentlichkeit.  Plötzlich trugen viele die gleichen Hüte, sodass die Polizei in den 20er und 30er Jahren Menschen mit weißen Hüten sogar aufhielt und kontrollierte. Der Fedora war für Capone ein starkes Symbol für Stärke, Männlichkeit und Cleverness.

Doch Capone wurde ab Ende der 20er leichtsinnig, sein Ego geriet außer Kontrolle. Sein verschwenderisches Geldausgeben, das in den Zwanzigern in den USA noch glamourös gewirkt haben mochte, erweckte in der Zeit der Wirtschaftskrise einen ganz anderen Eindruck. 12 Dollar für seidene Unterwäsche zu bezahlen, kam nicht mehr so gut an. Eine Familie, die von der Fürsorge lebte, konnte einen Monat lang von dem zehren, was Capone für Socken ausgab.

Am 14. Februar 1929 ereignete sich das so genannte „Valentinstags-Massaker“. Sieben Mafiosi wurden in Chicago erschossen, man schrieb die Bluttat Al Capone zu. Die Männer wurden in einer Garage an die Wand gestellt und brutal niedergeschossen. Grausame Bilder davon kamen in Umlauf und obwohl unklar war, ob Al Capone der Auftraggeber war, hatte er einen irreparablen Imageschaden. Nicht einmal auf den berühmten Bürgerkriegsbildern des Photographen Mathew Brady hatten die Amerikaner so viel Blut gesehen! Das war der Todesstoß für Capones Karriere: Chicagos Geschäftsmänner wollten ihn loswerden, weil sich niemand mehr in Chicago ansiedelte. Capone wurde zum Staatsfeind Nummer 1.

In den 20er Jahren war Capone nie angeklagt worden, weil er mächtiger war als das Gesetz. Aber US-Präsident Herbert Hoover, der seit 1929 an der Macht war, setzte sich die Verbrechensbekämpfung zum höchsten Ziel und jagte Capone mit öffentlichen Mitteln. Obwohl jeder wusste, dass sich Al Capone sein Imperium mit Alkoholschmuggel, organisierter Kriminalität, Glücksspielen, Prostitution und Mord aufgebaut hatte, konnte er mangels Beweise nicht dafür belangt werden. Die Einkommenssteuer war erst kurz vor dem ersten Weltkrieg in den USA eingeführt worden und wurde bis dato nicht sehr streng kontrolliert, so dass manche Leute darauf vergaßen, sie anzugeben oder zu bezahlen. So auch Al Capone. Der Steuerbeamte Frank Wilson fand in Form eines Kundenbuchs über Glücksspieleinnahmen einen Beweis dafür, dass Capone ein Einkommen hatte und keine Steuern bezahlte. Das führte letztendlich zu Al Capones Anklage und Verurteilung im Jahre 1931.

Quelle:
Jodi Flynn; Brent Montgomery; Chip Bolcik; Jonathan Eig; Deirdre Marie Capone; Thomas A Reppetto; Vince Gilligan: Al Capone: Icon. Outpost Entertainment,; Public Broadcasting Service (U.S.),; PBS Distribution, 2014

Der Sport in den 1920er Jahren

Vielfach vollzog sich eine Entwicklung vom Amateur- zum Profisport. Die Sportler begannen sich zu organisieren, Sport-Promoter machten sich auf die Suche nach neuen Talenten. Sport wurde zu einem wichtigen wirtschaftlichen Faktor.

Österreich
In den Zeitungen wurde immer sehr ausführlich über Fußballspiele berichtet und bald wurden die Spiele auch im neuen Medium Radio übertragen. Die RAVAG-Reporter berichteten darüber von Beginn an, 1923 nahm der erste Probesender den Betrieb auf und 1930 gab es bereits 400.000 zahlende Abonnenten. Sportreporter und Sportfotografen waren sehr populär. Pionier der Sportphotographie in Österreich war Lothar Rübelt.

Der Sport und somit auch die Sportler waren so beliebt, dass die Herrenmode sich Anleihen beim Sport nahm, vor allem bei der Golf- und Tennismode.
Durch die Schwimmvereine lernten immer mehr Menschen schwimmen. Auch Bodybuilding gab es, nur hieß dieser Sport damals „Stemmen“.
In den 20er Jahren wurde ein neues Sportgerät erfunden: das Rhönrad. Es bestand aus zwei Reifen, die durch sechs Sprossen miteinander verbunden waren: zwei Spreizsprossen, zwei Griffsprossen und zwei Brettsprossen.

In den 20er Jahren gab es in Österreich sehr schneereiche Winter, vor allem 1924, als auf dem Anninger eine Rodelbahn gebaut wurde, auf der bis 1933 Rennen gefahren wurden.
Schifahren war ein Sport, den man nicht im Verein betrieb. Oft war es möglich vom Haus weg mit den Schiern zu gehen, da die Straßen bei Schneefall nicht geräumt wurden wie heute. Ziele waren der Eichkogel, das Hagenauertal, der Liechtenstein, die Seewiese oder der Gießhübl. Als Schischuhe verwendete man festere Straßenschuhe, in die man hinten ein paar „Tscheanken“ gab, damit die Bindung nicht hinunterrutschte. Wenn auch Mädchen das Schifahren ausprobieren wollten, liehen sie sich die Schi von Freunden und Knickerbocker vom Bruder.

In den USA war Football der prominenteste Sport, Tennis- und Golfmeisterschaften erfreuten sich großer Beliebtheit. Ruderregatten wurden organisiert. Sportveranstaltungen zogen mehr Publikum an als alles andere.

Bademode
Durch die Schwimmvereine lernten immer mehr Menschen schwimmen. Stadtbäder wurden errichtet, Menschen in Badekleidung waren ein vertrautes Bild. Die Bademode erregte vielfach die Gemüter. Die umständlichen, dunklen Badekleider der Damen, ein Relikt aus der Kaiserzeit, wurden durch Badetrikots abgelöst. Der Schnitt wurde recht verwegen, die Damen zeigten wie die Herren ihre Knie. Zudem wurden die Badeanzüge heller und bunter. Ab 1928 kamen in den Vereinigten Staaten die ersten zweiteiligen Badeanzüge auf.

Erstmals traten sehr knappe Badehosen für Männer auf, sogenannte Dreiecksbadehosen, die vielfach als skandalös betrachtet wurden. Ältere und konservativere Herren bevorzugten Herrenbadeanzüge.
Freilich war die neue Bademode nicht überall zu sehen. Ältere Damen und die Vielen, die sich die neuen Modelle nicht leisten konnten, trugen als „Badeanzüge“ so genannte „Turnerhosen“. Das waren schwarze Hosen aus einem Stoff namens „Kloth“ und schwarze Klothschürzen, die mit einer Sicherheitsnadel am Rücken zusammengehalten wurden. Wenn sie im Wasser waren, sahen die Frauen aus, als hingen sie an schwarzen Ballons, weil sich diese Badekleidung so aufblähte. Es gab auch Badeanzüge aus Baumwolle mit einem Röckchen dran, die aber für Viele unerschwinglich waren.
Als Schwimmhilfen verwendete man Petroleumkanister, Schweinsblasen und selbst genähte Schwimmreifen mit einem Einsatz, der mit Schichtseife imprägniert war.

SIEGE – REKORDE – WETTKÄMPFE 1920–1929
1920

  • Der amerikanische Nationalheld George Herman („Babe“) Ruth (1895–1948) wechselt für die bis dahin höchste Ablösesumme im Baseball von 125.000 Dollar von den Boston Red Sox zu den New York Yankees
  • Offizielle Eröffnung der VII. Olympischen Spiele in Antwerpen, die bis zum 12. September dauern. Die Sportler kommen aus 29 Staaten, Vertreter der ehemaligen Mittelmächte sind nicht eingeladen
  • Österreich gewinnt im Fußball gegen Deutschland mit 3:2


1921

    • In Monte Carlo beginnen die ersten olympischen Spiele der Frauen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) schließt Frauen weiterhin von den Olympischen Spielen aus
    • In einem als „Boxkampf des Jahrhunderts“ bezeichneten Kampf verteidigt der Amerikaner Jack Dempsey seinen Weltmeistertitel im Schwergewicht gegen den Franzosen Georges Carpentier vor 120.000 Zuschauern durch einen K. O. in der vierten Runde.
    • In Les Mans wird nach Ende des Ersten Weltkriegs der erste Große Preis des französischen Automobilclubs ausgetragen


1922

    • Die Wienerin Herma Planck-Szabó wird in Stockholm Weltmeisterin im Eiskunstlauf
    • Johnny Weissmüller stellt in Alameda (Kalifornien) in genau 58,6 Sekunden einen neuen Weltrekord über 100 Meter Freistil-Schwimmen auf
    • In Brooksland (USA) findet ein Autorennen statt, das Gegenstand der ersten Sport-Rundfunkreportage wird.
    • In Paris finden die ersten Frauen-Weltspiele der Leichtathletik statt
    • Der finnische Sportler Paavo Nurmi läuft mit 14:35,4 Minuten einen neuen Weltrekord über 5.000 Meter


1923

    • Fritz Kachler (Österreich) wird in Wien zum dritten Mal Weltmeister im Eiskunstlauf, Herma Planck-Szabó zum zweiten Mal
    • Das Wembley-Stadion in London wird mit dem Cupfinale zwischen West Ham United und den Bolton Wanderers eröffnet.
    • In Le Mans findet das erste 24-Stunden-Rennen statt


1924

    • In Chamonix (Frankreich) fand die Internationale Woche des Sports statt, die vom IOC nachträglich (im Jahr 1926) zu den ersten Olympischen Winterspielen erklärt wurde. Österreich gewinnt 2 Goldmedaillen: Eiskunstlauf der Damen (Herma Planck-Szabó) und Eiskunstlauf der Paare (Helene Engelmann und Alfred Berger) sowie eine Silbermedaille: Eiskunstlauf der Herren (Willy Böckl)
    • Herma Planck-Szabó (Österreich) wird in Oslo zum dritten Mal Weltmeisterin im Eiskunstlauf
    • Helene Engelmann und Alfred Berger (Österreich) werden in Manchester Weltmeister im Eiskunstlauf der Paare
    • In dem Wintersportort Chamonix in Frankreich wurde der Internationale Skiverband gegründet
    • In Paris begannen die VIII. Olympischen Spiele der Neuzeit. Österreich: 3 silber-, 1 Bronzemedaille, alle in Schwerathletik. Federgewicht: 2. Andreas Stadler; Leichtgewicht: 2. Anton Zwerzina; Schwergewicht: 2. Franz Aigner; Halbschwergewicht: 3. Leopold Friedrich
    • Einen friedlichen, einen sportlichen Zweck hatte die sogenannte Hitzeschlacht von Colombes. Dieses Querfeldeinrennen fand innerhalb der VIII. Olympischen Spiele in Paris statt. Nur 15 von 38 Teilnehmern schafften bei 45 Grad Celsius den Zieleinlauf. Der Finne Paavo Nurmi gewann die Goldmedaille.


1925

    • Herma Planck-Szabó (Österreich) wird in Davos zum vierten Mal Weltmeisterin im Eiskunstlauf. Planck-Szábo und Ludwig Wrede (Österreich) werden Weltmeister im Eiskunstlauf der Paare
    • Der amerikanische Sportler Johnny Weissmuller schwimmt mit 2:15,2 Minuten einen neuen Weltrekord über 200 m Freistil
    • Die Mannschaft der USA gewann zum sechsten Mal hintereinander den Tennis-Davis-Cup
    • Den Weltrekord über 400 m Freistil wird von dem schwedischen Schwimmer Arne Borg in Stockholm auf 4:50 min verbessert
    • Gene Tunney gewinnt die Boxweltmeisterschaft in Philadelphia


1926

    • Herma Planck-Szabó (Österreich) wird in Stockholm zum fünften Mal Weltmeisterin im Eiskunstlauf


1927

    • Willy Böckl (Österreich) wird in Davos Weltmeister im Eiskunstlauf
    • Herma Planck-Szábo und Ludwig Wrede (Österreich) werden Weltmeister im Eiskunstlauf der Paare
    • Der Deutsche Max Schmeling wird Europameister im Halbschwergewicht
    • Der amerikanische Sportler Johnny Weissmuller schwimmt mit 10:22,2 min. einen Weltrekord über 800 m Freistil.


1928

    • Tischtennisweltmeister im Herrendoppel werden die Österreicher Liebster und Thum, im Damendoppel Flamm und die Amerikanerin Mednyanszky
    • Die II. Olympischen Winterspiele finden in St. Moritz (Schweiz) statt. Österreich gewinnt 3 Silbermededaillen: Willy Böckl (Eiskunstlauf), Fritzi Burger (Eiskunstlauf), Lilly Scholz und Otto Kaiser (Eiskunstlauf-Paarlauf) und eine Bronzemedaille (Melitta Brunner und Ludwig Wrede im Eiskunst-Paarlauf)
    • Willy Böckl (Österreich) wird in Berlin Weltmeister im Eiskunstlauf
    • Erstes Arlberg-Kandahar-Rennen in St. Anton am Arlberg
    • Auf der Opel-Rennstrecke in Rüsselsheim wird der erste Rennwagen mit Raketenantrieb getestet. Das Auto beschleunigt in acht Sekunden auf 100 km/h
    • In Amsterdam werden die IX. Olympischen Sommerspiele eröffnet. Unter den knapp 3.000 Teilnehmern sind 288 Frauen, die erstmals auch in der Leichtathletik antreten. Der finnische Langstreckenläufer Paavo Nurmi stellt in drei Läufen in Berlin neue Weltrekorde auf: über 15 km, über 10 Meilen und im Einstundenlauf.
    • Österreich gewinnt 1 Goldmedaille in Schwerathletik (Franz Andrysek, Federgewicht), 1 Silbermedaille (Hans Haas, Leichtgewicht) und eine Bronzemedaille (Leo Losert und Viktor Flesch, Rudern: Doppelzweier)
    • Richard Halliburton durchschwimmt als erster Mensch den Panamakanal in seiner gesamten Länge

    • 1929

        • Lilly Scholz und Otto Kaiser (Österreich) werden in Budapest Weltmeister im Eiskunstlauf der Paare

      Quellen:
      Bienert, Christine: „Die Kolonie war halt das tiefste in Mödling. Des is heut nimmer“. Alltag in der Mödlinger Kolonie seit 1873. Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophie aus dem Fachgebiet Volkskunde, eingereicht an der Universität Wien, 2006
      Kleindel: Österreich. Daten. Zahlen. Fakten. Salzburg: Andreas& Müller, 2007
      Portisch, Hugo: Österreich I. Die unterschätzte Republik. Wien: Kremayr und Scheriau, 1989
      LEMO – Lebendiges Museum Online
      Was War Wann. Geschichte von oooo bis gestern