Al Capone: Vorbild für ein neues Filmgenre

Amerikas Vorliebe für Gangster begründete ein neues Genre: den Gangsterfilm. Das förderte die mythische Verehrung eines Gangsters als Antihelden. Eines Helden, der sich wie Al Capone kleidete: in zweireihigen Anzüge, mit großen Filzhüten, glänzenden Schuhen und auffallendem Schmuck. Das war bedenklich: Die Regierung sah sich veranlasst, Richtlinien im Hinblick auf die moralisch akzeptable Darstellung von Kriminalität herauszugeben. So entstand 1930 der sogenannte Hays Code. Nicht der Gangster durfte der Held oder Antiheld sein, sondern der „G-Man“ der FBI-Agent, der ihn zur Strecke brachte.

Aufstieg und Fall eines Mafiabosses mit Hilfe der Medien
Er war besonders begabt im Umgang mit den Medien und nutze sie als Image- und Werbeplattform. Al Capone verdiente Millionen mit illegalen Geschäften und baute sich ein Image als moderner Robin Hood auf. Er spendete Geld für wohltätige Zwecke und half Menschen in Not. Er öffnete Suppenküchen für die hungrigen Armen und kümmerte sich um die Arbeiter. Auf seinem Höhepunkt verdiente Capone 100 Millionen Dollar pro Jahr. Mitte der 20er kontrollierte er Chicago und wurde zur lebenden Legende. Al Capone trug maßgeschneiderte, zweireihige Anzüge in irrwitzigen Farben, er wollte auffallen. Sein Fedora, ein weißer Filzhut fiel besonders auf in der Öffentlichkeit.  Plötzlich trugen viele die gleichen Hüte, sodass die Polizei in den 20er und 30er Jahren Menschen mit weißen Hüten sogar aufhielt und kontrollierte. Der Fedora war für Capone ein starkes Symbol für Stärke, Männlichkeit und Cleverness.

Doch Capone wurde ab Ende der 20er leichtsinnig, sein Ego geriet außer Kontrolle. Sein verschwenderisches Geldausgeben, das in den Zwanzigern in den USA noch glamourös gewirkt haben mochte, erweckte in der Zeit der Wirtschaftskrise einen ganz anderen Eindruck. 12 Dollar für seidene Unterwäsche zu bezahlen, kam nicht mehr so gut an. Eine Familie, die von der Fürsorge lebte, konnte einen Monat lang von dem zehren, was Capone für Socken ausgab.

Am 14. Februar 1929 ereignete sich das so genannte „Valentinstags-Massaker“. Sieben Mafiosi wurden in Chicago erschossen, man schrieb die Bluttat Al Capone zu. Die Männer wurden in einer Garage an die Wand gestellt und brutal niedergeschossen. Grausame Bilder davon kamen in Umlauf und obwohl unklar war, ob Al Capone der Auftraggeber war, hatte er einen irreparablen Imageschaden. Nicht einmal auf den berühmten Bürgerkriegsbildern des Photographen Mathew Brady hatten die Amerikaner so viel Blut gesehen! Das war der Todesstoß für Capones Karriere: Chicagos Geschäftsmänner wollten ihn loswerden, weil sich niemand mehr in Chicago ansiedelte. Capone wurde zum Staatsfeind Nummer 1.

In den 20er Jahren war Capone nie angeklagt worden, weil er mächtiger war als das Gesetz. Aber US-Präsident Herbert Hoover, der seit 1929 an der Macht war, setzte sich die Verbrechensbekämpfung zum höchsten Ziel und jagte Capone mit öffentlichen Mitteln. Obwohl jeder wusste, dass sich Al Capone sein Imperium mit Alkoholschmuggel, organisierter Kriminalität, Glücksspielen, Prostitution und Mord aufgebaut hatte, konnte er mangels Beweise nicht dafür belangt werden. Die Einkommenssteuer war erst kurz vor dem ersten Weltkrieg in den USA eingeführt worden und wurde bis dato nicht sehr streng kontrolliert, so dass manche Leute darauf vergaßen, sie anzugeben oder zu bezahlen. So auch Al Capone. Der Steuerbeamte Frank Wilson fand in Form eines Kundenbuchs über Glücksspieleinnahmen einen Beweis dafür, dass Capone ein Einkommen hatte und keine Steuern bezahlte. Das führte letztendlich zu Al Capones Anklage und Verurteilung im Jahre 1931.

Quelle:
Jodi Flynn; Brent Montgomery; Chip Bolcik; Jonathan Eig; Deirdre Marie Capone; Thomas A Reppetto; Vince Gilligan: Al Capone: Icon. Outpost Entertainment,; Public Broadcasting Service (U.S.),; PBS Distribution, 2014