Zu hause

Wohnen
Die Mietzinse für die neu umgebauten Arbeiterwohnungen in Mödling betrugen 1925 monatlich 74.000 Kronen (Obergeschoß) und 84.000 Kronen (Erdgeschoß). 1927 waren es monatlich 8 Schilling (Obergeschoß) und 9,50 Schilling (Erdgeschoß).
Für ein Zimmer in Wien musste man 1927 zwischen 40 Schilling (halbdunkles Zimmer mit Fenster zum Gang) und 70 Schilling im Monat bezahlen.

DER HAUSHALT
Waschtag
Für Menschen, die es gewohnt sind, die Wäsche ihren Waschmaschinen anzuvertrauen, ist es kaum vorstellbar wie mühevoll und langwierig das Wäschewaschen früher war. Es war Schwerarbeit für Frauen, denn sie waren für die Wäsche zuständig.
Zunächst wurde am Tag vor dem Waschtag die Wäsche eingeweicht. Dazu musste man zunächst Wasser aus einem Brunnen holen und in einen großen Bottich füllen. Dann Soda bzw. Henko (ein Einweich- und Enthärtungsmittel) dazugeben und einweichen lassen.
Am Waschtag musste man wieder Wasser holen, es in ein großes Gefäß, einen „Häfen“ füllen und auf dem Herd erwärmen.  Dann wurde die eingeweichte Wäsche aus dem Bottich herausgehoben und ausgewunden. Danach musste man die Wäschestücke in den Häfen heben und kochen. Anschließend gab man die gekochte und heiße Wäsche in einen Waschtrog. Dort wurde sie eingeseift und mit Soda oder Schichtseife gebürstet und danach ausgewunden. Dann brauchte man wieder frisches Wasser um die Wäsche mehrmals zu schwemmen und anschließend wieder auszuwinden.
Zum Trocknen wurden im Garten oder Hof Schnüre gespannt, auf die die Wäsche gehängt wurde. Wenn sie getrocknet war, wurde sie abgenommen, gespannt und gebügelt.
So ein Waschtag dauerte mehr als zwölf Stunden und oft mussten die Frauen schon um vier Uhr morgens aufstehen, um genug Zeit zu haben.  Größere Kinder mussten auch mithelfen.
Dennoch gab es ab Ende der Zwanzigerjahre einige Erleichterungen.  In den Gärten wurden so manche Schuppen zu Waschküchen umgebaut, die Waschmittel wurden wirkungsvoller und in immer mehr Wohnungen gab es fließendes Wasser.
Zum Bügeln verwendete man ein Holkohleneisen oder ein Stageleisen. Das Holzkohleneisen war zum Aufklappen und man füllte Holzkohle hinein. Damit die Kohle die richtige Temperatur beibehielt musste man ständig „wacheln“, also Luft zufächeln. Das Stageleisen hatte einen „Stagel“ einen abnehmbaren Teil, den man in den Ofen gelegt hat, bis er geglüht hat. Und dann wurde der Stagel in das Bügeleisen gegeben. Als Unterlage wurden Tische verwendet, Bügelbretter gab es nicht.

Körperpflege
Die täglichen Reinigung fand im „Lavoir“ statt, einem großen emailierten Waschtrog. Das Wasser dafür wurde vom Brunnen geholt und auf dem Herd erwärmt. Wichtig war es vor allem, sich das Gesicht und die Füße zu waschen.
Das tägliche Zähneputzen wurde propagiert und von den Schulen und Gemeinden gefördert. Dafür wurden Schulzahnkliniken eingerichtet und Zahnhygieneunterricht erteilt.
Die Zahnputzmittel wurden besser und die Zahnpasta- Hersteller gaben Anweisungen, wie ihre Produkte anzuwenden waren.
Einmal in der Woche gab es einen Badetag. Dabei diente der Waschtrog als Badewanne und wieder mussten mehrere Kübel voll Wasser vom Brunnen geholt und auf dem Herd erwärmt werden.  Zumeist wurde in der Küche gebadet, im Sommer auch im Hof oder Garten.  Wenn das Badewasser bereitstand, konnte der Badespaß beginnen: zuerst kamen die Mädchen in die Wanne, dann die Buben. Alternativ konnte man eine Zinkbadewanne verwenden, die oftmals in der Waschküche aufgehängt war.
Nach dem Baden wurde der Waschtrog auf zwei Sessel gestellt und das Wasser in Eimer abgelassen und in den Garten getragen. Wenn man im Sommer draußen oder in der Waschküche baden konnte, war das schon eine Erleichterung, weil das mühevolle Wasser-Entsorgen entfiel. Das Haarewaschen konnte, besonders bei Mädchen wegen ihrer langen Haare, ziemlich mühsam sein.

Abwasch
Um das schmutzige Geschirr kümmerten sich die Frauen und Mädchen. In vielen Häusern oder Wohnungen gab es kein fließendes Wasser und so musste man sich seinen Wasservorrat von dem nächstliegenden Wasserhahn mit Becken, der sogenannten „Bassena“ holen. Die war oft in einem anderen Gebäude oder auch nur im Erdgeschoß, Garten oder Hof und so hatte man die Wasserkannen oder Kübel oft von weit her zu holen. Das Wasserholen war eine Tätigkeit, die man gern die Kinder verrichten ließ. Wenn man das Wasser dann mehrere Stockwerke hinauf geschleppt hatte, wurden die Wasserkannen auf ihren Platz in der Küche gestellt. Dort befand sich ein „Wasserbankel“, eine Holzbank, auf die man die Wasserkannen und ein „Schaffel“ stellen konnte. Es gab auch schon Abwaschhilfen wie Soda, Spülmittel oder Scheuerpulver namens „ATA“ oder „IMI“. Manchmal verwendete man auch zwei Schaffel, eines zum Abwaschen und eines zum Ausschwemmen. Das schmutzige Wasser wurde zur Toilette transportiert und dort ausgeleert, oder aber man schüttete es in den Hof. Das saubere Geschirr konnte man mit einem Tüchlein, dem „Hangerl“ zugedeckt, im  Schaffel trocknen lassen .
Alternativ konnte das Geschirr auch draußen in der Waschküche abgewaschen worden.  Dazu wurde es im Schaffel transportiert.

Quelle:
Bienert, Christine: „Die Kolonie war halt das tiefste in Mödling. Des is heut nimmer“. Alltag in der Mödlinger Kolonie seit 1873. Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophie aus dem Fachgebiet Volkskunde, eingereicht an der Universität Wien, 2006